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Eine Viertelstunde über lächerliche Einsamkeit

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Nehemia 4,12–13 (LU)
Und ein jeder, der baute, hatte sein Schwert um die Lenden gegürtet und baute so; und der die Posaune zu blasen hatte, stand neben mir.
Und ich sprach zu den Vornehmen und Vorstehern und zum übrigen Volk: Das Werk ist groß und weit, und wir sind auf der Mauer weit verstreut und fern voneinander.

Einleitung

Durch den Druck und die Gefahr ausgehend von ihren Feinden, war Nehemia und das Volk gezwungen, zu einer ungewöhnlichen Maßnahme zu greifen: Jeder arbeitete mit einer Kelle in der einen Hand, und mit dem Schwert in der anderen. In dem Fall wo man beide Hände für die Arbeit benötigte, wurde die Arbeit geteilt. Einer arbeitete, ein anderer stand mit seiner Waffe daneben.
Sehr viele arbeiteten so, wie in Vers 12 beschrieben. Umgürtet mit einem Schwert. Das war sehr aufwendig, lästig, eigentlich ein Hindernis und auf jeden Fall ein Fall für die Lächerlichkeit.
Die Feinde Israels dürften ihren Spott gehabt haben, dass das Volk Israel nun den doppelten Aufwand hatte. Sich mit einem Schwert umgürtet zu bücken, ist auf jeden Fall äußerst umständlich. Ein Schwert ist nichts, dass man auf eine Baustelle mitbringt, das wäre in etwa so, wie praktische Arbeit mit einem Rucksack auf dem Rücken, der mit Steinen beladen ist. Wie gesagt, es wirkte auf jeden Fall äußerst belustigend und lächerlich

Ein lächerliches Werk

Jüngern Christi wird das immer wieder passieren, dass sie im Tun des Werkes Christi lächerlich wirken.
Da ist z.B. der junge Christ, der ein Leben in Reinheit und Selbstbeherrschung führt. Wie lächerlich wirkt diese, in einer Kultur, die nur nach Selbsterfüllung und Selbsverwirklichung schreit. Selbstbeherrschung gilt hier nicht als höchste Frucht des Geistes, sondern wird belächelt als eine Vergeudung der unendlichen Spaßmöglichkeiten, die man haben könnte.
Oder es ist ein Bruder, der seine Zeit mit dem Wort Gottes verbringt, wirklich den Willen Gottes verstehen möchte. Wie wird er selbst unter den Scharen der Christen für seine Zeitverschwendung belächelt. Das Suchen von Gottes Willen gilt als etwas erbärmlich lächerliches, da so viele heute eine viel einfachere Lösung haben: Einfach das zu tun, was sich richtig anfühlt. So kann man sogar ein scheinbar “reines Gewissen” haben (obwohl es in Wirklichkeit ein Brandmahl im Gewissen ist). Und das Fragen nach dem Willen Gottes wirkt für solche äußerst umständlich, geradezu erbärmlich lächerlich.
Ich denke an eine Situation auf der Arbeit, in der wir über Abtreibungen sprachen und ich plötzlich realisierte, dass man als lächerlich veraltet, fundamentalistisch, frauenfeindlich gilt, wenn man gegen Abtreibungen kämpft. Man kann in einer Welt, die sich Gottlosigkeit auf die Fahne geschrieben hat, also auch dann als lächerlich gelten, wenn man gegen Mord kämpft.
Oder vielleicht noch praktischer: Da ist überall Panik, Öl ist ausverkauft und Gas wird knapp, aber ein Gläubiger vertraut dem Wort Christi, “dass man sich nicht für den morgigen Tag sorgen soll”. Würden da nicht auch wir Christen entsetzt die Gleichgültigkeit bemängeln! “Vater wo bleibt deine Besorgnis um die Familie?” “Na boga nadeisa, a sam neploschai”. Zu deutsch “Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott” - Gottvertrauen, wirkt niemals lächerlichlicher als in Zeiten der Not. Da wirkt jemand, der in Panik ausbricht, als jemand, der Not ernst nimmt, etwas unternimmt, aktiv ist, usw...
----Absatz
Jerusalem ist in der Bibel ab der Zeit Davids der Ort, an dem das Volk Gottes Gott selbst begegnete. Hier trat es in seine Nähe, seine Herrlichkeit war im Tempel, hier wurde Gott geopfert, hier rief man seinen Namen an. Der Mauerbau um Jerusalem sollte vor allem diesen Ort der Gottesbegegnung schützen.
Jeder Israelit wusste das. Und deswegen blieb nur die Option: Kelle und Schwert. Nur mit Kelle wäre man schnell den Feinden zu Opfer gefallen. Nur mit Schwert und Krieg wäre der Bau niemals fertig. Eine Fertigstellugn erforderte also beides: Kelle und Schwert. War das Werk der Israeliten also wirklich lächerlich? Nein, diese scheinbare Lächerlichkeit war notwendig, wollte man die Mauer fertigstellen.
Aus diesem Grund ist es natürlich nicht lächerlich, dass ein junger Christ in Selbstkontrolle und Keuschheit reift, denn er wählt das Bessere: eine Erfüllung in der Beziehung mit Gott.
Aus diesem Grund handelt der Bruder, der die Schrift erforscht nicht lächerlich, den er wird auf jeder Seite des Wortes Gottes seinem Gott, der ihn erlöst hat, begegnen.
Und jemand, der Gott vertraut, wenn er auch stürbe, würde er ja nur weiterleben mit Gott, den Sterben wäre sein Gewinn
Warum war also diese doppelte Ausstattung mit Kelle und Schwert keine Lächerlichkeit? Weil sie ein Ziel hatte, den Ort der Gemeinschaft mit Gott um jeden Preis zu erhalten.
So ist es auch heute, das Christentum mag lächerlich wirken,als lächerlich gelten, Aber es ist es nie um der Lächerlichkeit selbst willen, sondern um Christi willen. Die Apostel verkündigten voll des Geistes die Wohltaten Gottes, aber dem Volk schien das lächerlich und sie verspotteten die Jünger mit den Worten: “Sie sind voll süßen Weins.” Oder wie Paulus später in 1. Kor. 4,10 schreiben soll: “Wir sind Narren um Christi willen..”

Eine Lächerlichkeit mit einem klaren Ziel

Die Christliche Lächerlichkeit ist niemals eine Lächerlichkeit um ihrer selbst willen. Etwa 400 nach Christus lebte ein Philosoph mit dem Namen Diogenes, der eine zynische Haltung zum Leben entwickelte. Nichts sollte einen Wert für ihn haben: Ob Gewinn oder Verlust, er wollte stoisch darüber stehen. Also entschied er sich, wie er selbst sagte, zu einem Leben als Hund. Er lebte in einem Fass; aß, damals sehr ungewöhnlich öffentlich auf der Straße und verrichtete dort auch seine Notdurft vor jedermann. Das Ziel eines Stoikers ist mindestens Dreifach: Frei von Leidenschaften (Apatheia), Selbstgenügsamkeit (Autarkie) und Unerschütterlichkeit (Ataraxie). In Kürze: So ein Stoiker hätte kein Problem, die Arbeit des Volkes Gottes zu teilen. Frei von Leidenschaft und selbstgenügsam würde er zu Kelle und Schwert greifen. Doch er würde diese Arbeit auch genauso unerschütterlich weiterführen, selbst wenn die Mauer fertig wäre. Er würde zu Kelle und Schwert um ihrer selbst willen greifen.
So ein Stoiker könnte nichts mit dem Jubelgesang Israels anfangen, den das Volk tagelang sang, als die Mauer fertig waren. Er hätte kein Verständnis für die Tränen, die vergoßen wurden, als Esra das Gesetz Gottes verlas.
Heute ist Jerusalem zerstört, der Tempel nicht mehr da. Wo ist heute der Ort der Begegnung mit Gott? Natürlich in der Person Jesu Christi. Jesus betonte das immer wieder, dass er der Ort der Begegnung mit Gott ist. Zu Beginn seines Dienstes offenbart er seinen Jüngern. Johannes 1,51 “Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn.” Als Jesus von sich selbst sprach, sagte er gar: “Hier ist Größeres als der Tempel” (Mt. 12,6) und schließlich konnte er sagen: Johannes 2,19 Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.”
Unser Ort der Gottesbegegnung, der um jeden Preis beschützt werden muss, ist also die Begegnung mit Christus, die Sammlung um sein Kreuzeswerk, das Lauschen der Worte der Erlösung: “Es ist vollbracht”. Und siehe da, auch das hat eine Lächerlichkeit. Die Feinde Christi konnten nur spotten, als sie vorbeigingen und sahen, wie Christus dort hängt, einsam, bloß, zwischen Verbrechern, verblutend, seine Jünger zerstreut wie verlorene Schafe. Ein lächerlicher Messias. Das soll der König der Juden sein? Doch, dass was den Heiden eine Torheit und den Juden ein Ärgernis ist, ist den Kindern Gottes zur Gotteskraft geworden.
Deswegen lehrt uns Nehemias Mauerbau auch ein Stückweit , Römer 8,18 “dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.”

Lächerliche Einsamkeit

Nehemia war ein weiser Führer. Er erkannte eine besondere Gefahr, die die doppelte Arbeitsbelastung von Kelle und Schwert bedeutet. Es war die Einsamkeit. Eben gerade, weil man das Werk am Vollenden war, waren die Arbeitern an allen möglichen Ecken um die Mauer herum verteilt. Die Gefahr war, dass man so vertieft war mit seiner Arbeit, und so herannahende Feinde kaum wahrnahm. Vielleicht war man auch so schnell von den Feinden überwältigt, dass man keinen Alarm schlagen konnte.
Nehemia überlegt sich daraufhin eine Strategie, wie er diese Gefahr möglichst niedrig halten kann, ich bin mir sicher, der nachfolgende Bruder wird auf diese Strategie oder Nehemias Maßnahmen eingehen.
Ich denke wir sollten mehr um diese Gefahr der Vereinsamung wichtiges: Nichts lässt die Lächerlichkeit des Evangeliums, auf die wir kurz eingegangen sind, besonders schwer wiegen, als Einsamkeit. Was für Petrus am Lagerfeuer im Tempelpalast die dreifache Leugnung Christi besonders natürlich werden ließ: Seine zehn Kollegen waren nicht bei ihm. Er war alleine in einer Menge von Spöttern, die sich an dem Verhör Jesu weideten.
Vereinsamung ist eine große Gefahr, gerade des modernen Menschen. Die zwei Jahre Corona-Pandemie haben gezeigt, wie erbarmungslos gesetzlich verordnete Einsamkeit sein kann: Das kann auch einsames Sterben bedeuten, selbst wenn man eigentlich eine große Verwandschaft besitzt.
Ich denke hier an die wachsende Zahl der Studierenden unter unseren Jugendlichen. Wir sind das eigentlich noch gar nicht so recht gewohnt, dass so viele aus unseren Reihen in den weiten Hörsälen riesiger Universitäten landen. Aber es sind oft auch Räume christlicher Einsamkeit. Vielleicht ist man unter den Studierenden der einzige, der an der Schöpfung der Welt festhält oder an der Inspiration der Bibel. Konfrontiert mit der Lächerlichkeit, der man nun ausgeliefert ist, ist der Druck kaum auszuhalten, der uns dazu drängt, unsere “einsame Rechtgläubigkeit” aufzugeben. Ich bin ja doch der einzige der das glaubt, könnte manch einer denken.
Ähnliches gilt oft auch für unsere industrialisierten Arbeitsplätze. Gerade, wenn es eher nicht Fließbandarbeit ist, werden wir ständig damit konfrontiert, dass wir einen einsamen Kampf, um das Evangelium kämpfen. Und wir vergessen, dass es eine unzählbare Schar ist, die sich einst am gläsernen Meer sammeln wird. Und wir vergessen, dass die Gläubigen Nachkommen Abrahams so unzählbar sind, wie der Sand am Meer.
Nehemia erkannte in seiner Situation eine Gefahr, die wir auch heute neu erkennen müssen. Wir Christen brauchen dringend mehr Ermutigung untereinander, um in der Einsamkeit nicht zu verzweifeln beim aufrechterhalten der Gemeinschaft mit Gott.
Wie das von Statten gehen kann: Immer wenn es mal länger kein Lebenszeichen von mir gibt, kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass mich plötzlich eine Mail erreichen wird, von Aron, der mich frägt, ob alles in Ordnung ist. Ich denke wir brauchen diese Fanfaren und Trompeten, die über lange Strecken reichen. Das können Gebete für einander sein, aber auch mal ein Trostwort, dass wir über Whatsapp verschicken oder mal ein Brief, von Hand gemacht.
Es geht mir hier nicht um Aktionismus, oder ein paar Methoden, oder irgendwie unser Selbstwertgefühl zu steigern, wie oft durch diese Kettenbriefe, die oft verschickt werden: Wenn du diese Nachricht sieben Leuten schickst, freut sich Gott.
Nein so ist es nicht, es geht darum, dass wir aufs Neue Mitleid und Langmut entwickeln mit unseren Mitgeschwistern, die unter Vereinsamung leiden, die neu daran erinnert werden müssen, dass Gott über sie wacht, dass das was sie bauen, ein herrlicher Bau ist, wie die Schrift uns lehrt: “Die Liebe baut auf” (1. Kor. 8,1)
Letztlich führen uns diese Überlegungen zu dem, dass um unser Werk zu vollenden es gilt, die Phasen der Lächerlichkeit in Geduld zu ertragen, was uns Judas 20-21 lehren: “Ihr aber, meine Lieben, baut euer Leben auf eurem allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist und bewahrt euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben.”
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