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Mt 6,13b Predigtreihe Vater unser_ VIII Denn dein ist das Reich

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Vater unser VIII

„Denn dein ist das Reich“

Matthäus 6,13b

Ziel / Botschaft: Jesus lehrt seine Jünger, das lobpreisende Beten. Am Ende steht der Lobpreis. Er lässt uns von uns weg zu Gott aufblicken und übergibt ihm die Kontrolle. Beten fängt bei Gott an und hört bei ihm auf.

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

die letzten Monate haben wir uns mit den einzelnen Bitten des Vaterunsers beschäftigt. Sinn soll sein, tiefer in diese Worte Jeus einzudringen und sich bewusst zu werden: „Was bete ich da eigentlich?“

Das „Vater unser“ ist das einzige Gebet, das Jesus uns aufgetragen hat, dass wir es beten sollen. Das Mustergebet und auch die Zusammenfassung dessen, was Jesus gelehrt hat. Die Bitten deckten Not, Armut, Schwäche und Versagen auf.

„Unser Vater im Himmel“. Wir dürfen & sollen so beten, wie Jesus es uns beibringt: Du darfst Gott durch seinen Jesus Christus deinen Vater nennen. D.h. Gott ist die erste Adresse für alles, was uns beschäftigt – Freude und Sorge macht. Es geht beim Beten zuerst um ihn:

1. "Dein Name werde geheiligt", weil Gottes Name zur Hülle verkommen und vor lauter "ach Gottchen" inhaltsleer geworden ist. Sein Name soll groß werden in deinem Leben.

2. "Dein Reich komme", weil wir gefangen sind in den Themen unserer Zeit. In Aktenbergen nur als Nummern existieren und den Bezug zu Gott verloren haben.

3. "Dein Wille geschehe", weil wir uns getrieben von unserem und vom Willen anderer fühlen. Unser Leben zerrinnt, ohne dass wir darin unsere Bestimmung von Gott her wiedererkennen können: Damit betest du: Gottes Wille ist gut für mein Leben!

Dann geht es erst um ums – um dich und mich:

1. "Unser tägliches Brot gib uns heute", weil wir als Betroffene oder Fürbittende uns an Gott mit unserer wirklichen Not wenden. Du darfst ihn um alles bitten!

2. "Und vergib uns unsere Schuld", weil unsere Seele mit Brot nicht satt zu machen ist, sondern Frieden braucht.

3. "Und führe uns nicht in Versuchung", weil unser Leben bedroht ist von der Macht des Bösen, die uns von Gott wegreißen will mit allen Spielarten, die das Leben zu bieten hat.

 

Frage: Welch ein Mensch steht hinter diesen Bitten und wer formuliert sie aus ehrlichem Herzen?

Bild: Ich stelle mir vor, dass es ein Mensch ist, der sich inmitten einer dichten Dornenhecke befindet. Von allen Seiten wächst die Hecke auf ihn zu und er hat kein Werkzeug, um sich das Gestrüpp vom Leib zu halten. Er kann die Bitten nur herausschreien, doch ein Ausweg bleibt ihm. Es ist der Blick nach oben, in den freien Himmel. Er kommt nicht über die Mauer der Dornen hinüber. Aber über ihm ist Freiheit und Hoffnung. Am Ende angekommen bleibt ihm nur das Aufschauen zu Gott. So wundert es nicht, dass das Vaterunser, wie wir es heute beten, nicht mit der Bitte um Erlösung endet, sondern in einen großen Lobpreis mündet:

Matthäus 6,13b (nur von jüngeren Handschriften des Matthäusevangeliums bezeugt): Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

1. "Denn..." Der Lobpreis Gottes bedeutet für den Beter und die Beterin Rettung, die er oder sie gegen den Augenschein ausruft mit einem lauten "denn". Lobpreis ist Protest gegen Bedrängung, Zweifel und Entmutigung. Lobpreis rückt die Perspektive zurecht, wie stark die Dornenhecke Einfluss auf mein Leben haben darf.

Interessant ist, dass dieser abschließende Satz in den ältesten Handschriften des Matthäusevangeliums fehlte. Zwei Möglichkeiten bieten sich an, den Sachverhalt zu erklären:

a) Zum einen kann das Loben Gottes zum Schluss eines Gebetes so selbstverständlich gewesen sein, dass es nicht nötig war, aufgeschrieben zu werden.

b) Die zweite Möglichkeit ist, dass der ausformulierte Lobpreis erst nötig wurde, als die Dornenhecke der Bedrohung immer dichter wurde und der Blick immer stärker den Ausweg oben - bei Gott - suchte. Die zunehmende Christenverfolgung fällt zusammen mit der Ausformulierung der Doxologie. Wo der Glaube ins Martyrium führte, war der Blick auf den Himmel schon frei.

Bibl. Bsp.: Besonders eindrücklich begegnet uns das bei Stephanus, einem Mitglied der Jerusalemer Urgemeinde.

Apostelgeschichte 6-7(in Auszügen)

In der Kraft, die Gott ihm schenkte, vollbrachte Stephanus große und staunenswerte Wundertaten. Da traten Leute aus verschiedenen jüdischen Gemeinden gegen ihn auf. Sie ergriffen Stephanus und schleppten ihn vor den jüdischen Rat. Alle im Rat blickten gespannt auf Stephanus. Sie sahen, dass sein Gesicht leuchtete wie das eines Engels. Nach seiner Rede gerieten die Mitglieder des jüdischen Rates über Stephanus in solche Wut, dass sie mit den Zähnen knirschten. Stephanus aber blickte zum Himmel empor, vom Heiligen Geist erfüllt; er sah Gott im Glanz seiner Herrlichkeit und Jesus an seiner rechten Seite und rief: "Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn an der rechten Seite Gottes stehen!" Während sie ihn steinigten, bekannte sich Stephanus zu Jesus, dem Herrn, und rief: "Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!" Dann rief er laut: "Herr, strafe sie nicht für diese Schuld!" Mit diesen Worten starb er.

Von ihm berichtet die Apostelgeschichte, dass er staunenswerte Wunder vollbrachte, die armen Witwen speiste und gewaltig predigte. Die Zuhörenden fühlten sich von seinen Worten provoziert. Sie suchten nach Gründen, ihn aus dem Weg zu räumen. Sie setzten Gerüchte in die Welt und hetzten das Volk auf. Doch Stephanus trat vor den Hohen Rat mit einem leuchtenden Gesicht wie ein Engel. Das heißt, er wurde von Gottes Gegenwart angestrahlt. Seine Lage war menschlich gesehen aussichtslos. Die Steinigung wartete auf ihn. Doch Gottes Glanz umgab ihn von oben, zeigte ihm die Richtung seiner Rettung und ließ ihn im Namen Gottes sprechen und beten.

Bezug: Diese Rettung ist uns mit dem großen Lobpreis am Ende des Vaterunsers angeboten. Wir können in ihn einstimmen und auf die Hilfe Gottes vertrauen. Unser Loben können wir neu einüben. Loben aus der Tiefe ist nicht zu verwechseln mit einem Dankgebet, das gesprochen wird, wenn sich die Dornenhecke aufgelöst hat. Loben ist auch nicht einfach ein fröhliches Liedchen nach einem erfolgreichen Tag. Im Loben Gottes ist unser einziger Wunsch, Gott groß sein zu lassen, mit ihm zusammen zu sein und ihn in uns aufzunehmen.

Bild: Vielleicht ist es so wie am Strand bei hohem Wellengang. Man meint, es sei sicherer, mit beiden Beinen auf dem Sandboden zu stehen und die Welle so erst mal auszutesten. Aber schon eine kleine Welle wirft einen um, wenn man ihr stehend trotzen will. Erst wenn man sich der Welle anvertraut und sie einen trägt, merkt man, welche wunderbare Kraft einen mitnimmt und es leicht macht, sich dem Rhythmus des Meeres anzupassen. Gott zu preisen ist wie Schwimmen im Meer. Natürlich ist es auch möglich, Gott von außen zu betrachten, vom Strand aus, aber es bleibt eine theoretische Betrachtung. Auch wer sich vorsichtig nähert und die Füße in seinen eigenen Lebensplanungen verankert, kann Gottes Tragen nicht wahrnehmen. Im wahrsten Sinne des Wortes kann es ihn umhauen, wenn Gott ihm zu nahe kommt. Doch wer den Boden unter den Füßen aufgibt, Gott lobt und im Herzen eine Melodie Gottes anstimmt, wird in Gottes Armen sich wiederfinden, geborgen, getröstet und voller Hoffnung.

2. "Dein ist das Reich"

Weil wir schon jetzt Bürger des Reiches Gottes sind, gelten nicht nur die Rechte, die uns als Kinder Gottes zustehen, sondern auch die Pflichten. Gottes Reich ist nicht nur seine Angelegenheit, sondern genauso auch meine. Ich bin Mitarbeiter an der Baustelle Reich Gottes hier in meiner Umgebung.

Ich erlebe die Gemeinde als eine solche Baustelle. Gott baut sein Reich in der Gemeinde. Doch nicht ohne uns. Jede und jeder hat seine Aufgaben, ist gebeten, Dienste zu übernehmen, ist nach seiner Liebe gefragt. Jede und jeder ist verantwortlich, als Bürger des Reiches Gottes sich einzubringen. Dabei geht es nicht nur um das aktive Wahlrecht, das wir als Staatsbürger Deutschlands als unsere Pflicht ansehen. Es geht vielmehr darum, Frieden und eine neue Gerechtigkeit zu verwirklichen mit Gottes Heiligem Geist. Anleitung dazu gibt Jesus selbst. Er stellt ein Kind in die Mitte, dessen Urvertrauen unser Vorbild für Gottvertrauen ist. Er bezeichnet sich als Diener und erwartet, dass die Großen dieser Welt dienen, statt sie auszubeuten. Er lässt eine Arbeitsagentur betreiben, die vorrangig Mühselige und Beladene vermittelt. Wer stark ist, hat zunächst das Nachsehen. Sein Reich korrigiert unsere Phantasien von Ruhm, Ehre und Macht. Aber er lässt uns ahnen, dass es lohnt, sich darauf einzulassen. Es lässt uns unabhängig werden von den Reichen dieser Welt: Nero, Domitian, Diocletian und ihren Nachfolgern.

3. "Dein ist die Kraft"

Gott setzt seine Kraft ein zur Schöpfung und zur Erlösung. Gottes Kraft ist allerdings nicht Kraftbrühe oder Kraftfutter, die man im Laden kauft und sich dann einverleibt, um selbst kräftiger zu werden. So verstanden wäre Gottesdienst auch ein Kraftriegel, der für die Woche wieder die neue Energie spendet und uns fit sein lässt für die nächsten Herausforderungen. Gottes Kraft ist niemals losgelöst von ihm selbst zu haben und sie dient nicht dazu, dass wir kräftig werden und besser durchs Leben kommen. Seine Kraft schafft Neues bis hin zur Befreiung und Vergebung von Schuld.

Stephanus: So wird uns Stephanus wieder zum Beispiel. Seine letzten Worte, nachdem die Steine ihn zu Boden geworfen hatten, waren, "Strafe sie nicht für diese Schuld". Er bat nicht um Kraft für sich, um die Hecke des Bösen niederreißen zu können, sondern um Erlösungskraft für seine Feinde.

Wenn wir Gott loben, der die Kraft ist, dann wird es dazu führen, dass wir in den Kraftstrom der Neuschöpfung mit einbezogen werden. In besonderer Weise werden wir herausgefordert, Vergebung zu leben und sie anzubieten. Mag sein, dass die Hecke bleibt wie sie war und die Rettung aus dem Bösen so aussieht wie bei Stephanus, der in die Ewigkeit gehen durfte. Mag sein, dass durch Gottes Kraft Löcher in die Hecke brechen, Schuld vergeben wird und Neuanfang schon heute möglich wird. Doch immer wird Gottes Kraft am Wirken sein, die wir nicht zwingen können, uns nicht einverleiben können, sondern die wir nur bestaunen und der wir uns anvertrauen können.

4. „Dein ist die Herrlichkeit in Ewigkeit“

Der Gottesknecht im Jesaja-Buch spricht von Jesus, den er ankündigt: "Wer ist unter euch, der im Finstern wandelt und dem kein Licht scheint? Der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott." (Jesaja 50,10)

Jesus ist die Herrlichkeit, die mitten in der Dunkelheit der Bedrängung Licht gibt. Er sagt: "Hab keine Angst, vertraue mir" und richtet unseren Blick auf sich. Die bedrohlichen Dornen um uns herum versinken im Dunkel. Das Licht ist entscheidend, nimmt uns mit. Dabei ist bemerkenswert, dass Gott nicht im fernen Himmel geblieben ist. Was kann einem auch die Sonne helfen, wenn man auf freiem Feld von Dornen umfangen wird. Doch wenn der Gefangene neben sich Schritte hört und ein Licht ganz nah dabei sieht, dann kann er vertrauen, dass Rettung da ist. Diese Nähe hat Jesus uns zugesagt, sie verändert unsere Lage, weil wir dieser Herrlichkeit Jesu entgegen leben.

Manche Menschen allerdings wagen nicht, sich auf Jesus einzulassen und dem Licht entgegenzuhoffen. Sie halten sich an den piekenden Dornen fest und trauern um die verpassten Chancen ihres Lebens. Sie wollen nicht von Jesus herausgezogen werden aus ihrem Gefängnis, sondern wollen, dass alles wird wie früher.

Jesu Herrlichkeit liegt vor uns, nicht hinter uns. Sie ist uns verheißen für die Ewigkeit. Wir werden nicht die verpassten Gelegenheiten nachholen können, sondern ihm ähnlicher werden. Sind wir bereit dazu, die Dornen loszulassen und uns der Herrlichkeit zu überlassen? Sind wir bereit zur Rettung und zur Neugestaltung unseres Lebens?

5. "Amen"

Mit dem Amen setzt Jesus selbst die Unterschrift unter das von uns gesprochene Vaterunser. Er verbürgt sich dafür, dass unser Bitten und Loben erhört wird.

    * Lassen wir ihn in unserem Leben zu Wort kommen?

    * Zeichnen wir uns selbst in das Vaterunser ein?

    * Lassen wir uns vom Lobpreis und Staunen über Gottes Liebe mitreißen?

    * Verändert dieses Gebet uns - als Bürger in seinem Reich, als Versöhnende, als auf die Herrlichkeit Hoffende?

Jesus sagt uns mit den letzten Worten der Bibel zu (Offenbarung 22,20+21): "Ganz gewiss, ich komme bald!" Worauf die Gemeinde antwortet: "Amen, komm doch, Herr Jesus." (üben) Nach allem Bitten um Gottes Eingreifen steht das Lob auf Jesus Christus, der kommt - mitten in unser Leben und diese Welt.

Amen.

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