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Wie Timotheus die Gemeinde ordnen soll

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Liebe:

Auf die gewichtige Rolle, die das Stichwort „Liebe“ im Eph spielt, war oben bereits hingewiesen worden. Dem entspricht, dass im Zentrum des Sendschreibens nach Ephesus (Offb 2,4) das Verlassen der „ersten Liebe“ als der Hauptvorwurf an die dortige Gemeinde auftaucht. Ganz offensichtlich war dies dort ein wichtiges Problem, wie auch der Epheserbrief in seinem ethischen Teil zeigt (4,2.15; 5,1ff. 25ff; 6,23). Für Paulus beginnt die Liebe Gottes bereits in der Erwählungslehre (Eph 1,4) und strahlt aus bis in die „Niederungen“ des Verhaltens der Christen im Alltag (Eph 4,1–6) als „bedeutendste Wirkung des Geistes“.

Umkehr und Sendung:

In 1Tim 1,12–17 nimmt er sich selbst und seinen Lebensweg als Beispiel für Gottes Barmherzigkeit (1Tim 1,13.16), die auch in Eph 2,4 eine Rolle spielt. In diesem Zusammenhang spricht er jeweils von dem aus christlicher Sicht abwegigen Vorleben bei ihm (1Tim 1,13) wie bei den Ephesern (Eph 2,1–3), das von Sünden gekennzeichnet war (Eph 2,1f), aus denen Christus gerettet hat (1Tim 1,15). Er greift das Thema in abgewandelter Form in Eph 3,5–10 noch einmal auf, indem er (nun noch deutlicher im Sinne von 1Tim 1,12–17) über seine eigene Wandlung und Sendung spricht, durch die er zu einem Vorzeigeobjekt der Gnade Gottes geworden ist (1Tim 1,14/Eph 3,7f). In Offb 2,5 wird der Gemeinde Umkehr als (einziger) Ausweg aus der Distanzierung von Gott empfohlen. Die „ersten Werke“ könnten an das ihrer Sendung entsprechende Verhalten in der Frühzeit ihrer Geschichte erinnern.

Gebet:

In 1Tim 2,1–10 wie in Eph 6,18–20 verwendet Paulus eine differenzierte Terminologie für das Gebet, das an beiden Stellen auch auf die Erfüllung seines Auftrags bezogen ist (1Tim 2,6f / Eph 6,19f). Sprachlich auffällig ist die Häufung von Formen des Wortes πᾶς in beiden Texten. Frauen und Männer: In 1Tim 2,8–15 sind Männer und Frauen je für sich ein Thema, und zwar mit Blick auf ihr Beten, während Eph 5,22–33 die Haustafel den Rahmen bildet. Die „Ordnung des Hauses Gottes“ (Wagener) und damit die Vorstellung des οἶκος spielt auch im Eph eine Rolle. Trotz unterschiedlicher Zielrichtung (1Tim: das Gebet – Eph: das Verhältnis zueinander) stimmen beide Texte darin überein, dass die „Unterordnung“ der Frau betont wird (ὑποτάσσειν - ὑποταγή). In Offb 2,6 werden die „Nikolaiten“, eine frühchristliche Sekte, erwähnt. Nach altkirchlichen Nachrichten war das Verhältnis von Mann und Frau zueinander in ihr ein Streitpunkt mit den „orthodoxen“ Gemeinden.

Alkoholgenuss:

Hier bietet sich die Eph-Parallele (allerdings mit anderer Terminologie) geradezu als Verständnishilfe an. Paulus spricht dort aus, was er für den Alkoholabhängigen befürchtet, nämlich „Liederlichkeit“ (ἀσωτία). Dass er dabei durchaus differenzieren kann, zeigt des Apostels Ermunterung an Timotheus 5,23. Es geht um guten Gebrauch und die Vermeidung von Missbrauch.

Generationenfrage:

Zweifellos sprechen die beiden Texte unterschiedliche Aspekte des Generationenkonflikts an, 1Tim das Verhalten des Timotheus gegenüber Alten und Jungen sowie die Fürsorgepflicht der Kinder gegenüber der älteren Generation, Eph die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern. Eph 6,2f wird das 4. Gebot explizit zitiert, 1Tim 5,4.8 steht es nur implizit im Hintergrund.

Sklaven und Herren:

In 1Tim 6,1f geht es um das Verhalten christlicher Sklaven gegenüber ihren (heidnischen oder christlichen) Herren, während Eph 6,5–9 mehr den Gehorsam der Sklaven und den menschenwürdigen Umgang der Herren mit ihnen im Blick haben. Insofern könnte 1Tim eine spätere Situation reflektieren.

Verführung und Abfall vom Glauben in der letzten Zeit

(1Joh 4,1–3; 2Tim 3,1–9.13; 4,3–44)
Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden
2 durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind.
3 Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen.
4 Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird;
5 denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.

Die Zwischenzeit

Vom Glauben abfallen

Manche werden vom Glauben abfallen, ein zunächst Äußerliches, dann im übertragenen Sinn zu verstehendes inneres „Abstandnehmen“, „Auf-Distanz-Gehen“.
im AT: das schuldhafte Sich-Trennen vom Volk
Der Satan schafft eine neue Religion! Das ist die Versuchung der letzten Zeit“. In unserer von Geistern schwirrenden, für Okkultismus (vgl. Apg 19,12–20) und Satanismus, für Esoterik, „Patchwork-Religion“ und Religionsvermischung offenen Weltzeit.
Diese Geister versprechen Frieden und Harmonie, Einklang mit der Natur usw. und kommen damit tief verwurzelten menschlichen Grundbedürfnissen entgegen – aber das alles ohne Gott und sogar gegen den Christus.

Im Gewissen gebrandmarkt...

...kein spezifisch theologischer, sondern ein anthropologischer Begriff, und damit hier wie im übrigen NT nicht als ‚Stimme Gottes’ gemeint.
Das Verhältnis des Menschen zu seinem eigenen G., das ihn unausweichlich und unvoreingenommen beurteilt, ist also sein Bewusstsein der Verantwortlichkeit!
Im tiefsten Innern weiß ein Mensch, ob sein Denken und Fühlen, seine Motive ehrlich und echt sind oder nicht, jedenfalls solange er die Stimme des Gewissens nicht zum Schweigen gebracht hat.
Das Bild von der Brandmarkung kennt drei Bilder:
1. entweder im Leben der Sklaven (und der Kriegsgefangenen), die zur untilgbaren Kennzeichnung ihres Standes für sie selbst und für andere ein Brandzeichen erhielten. Der Sinn wäre dann, die Schande für den Betroffenen zu unterstreichen.
2. Oder es ist die Kennzeichnung von Zwangsarbeitern und Soldaten gemeint, die dadurch an der (Fahnen-)Flucht gehindert werden sollten.
3. Schließlich wurden in der Antike auch Wunden zu Desinfektionszwecken „ausgebrannt“, was die entsprechende Körperstelle zugleich gefühllos machte. In diesem Falle würde Paulus auf die Unansprechbarkeit der Irrlehrer seitens gesunder Lehre abzielen.

Askese

Eheverbot und Genussvorschriften
Die Gnosis lehrte den Vorrang des Geistes vor allem Leiblichen und kam dadurch zur Forderung des Verzichts auf die Ehe.
Die Speisegebote waren den Juden gut verinnerlicht. Im NT musste darum eine Regelung her, als es darum ging, eine Gemeinschaft zwischen Juden und Heiden möglich zu machen.
Apg 15,28 Denn durch den Heiligen Geist haben wir beschlossen, euch keine größeren Lasten aufzuladen als diese: 29 Esst kein Fleisch, das Götzen geopfert wurde, und weder das Blut noch das Fleisch nicht ausgebluteter Tiere, und meidet alle Unzucht. Wenn ihr euch daran haltet, handelt ihr richtig. Lebt wohl

Speisevorschriften

Die Speisen hat Gott für die Gläubigen geschaffen, damit sie mit Dank[gebet] empfangen werden (d.h. doch: zum Lob des Schöpfers). In jüdischen Familien gehörte die Segnung der Nahrung vor dem gemeinsamen Essen (wir würden heute sagen: das Tischgebet) zur Selbstverständlichkeit. Es war rückblickender Dank für das Empfangene und in die Zukunft gerichtete Vertrauenserweis in einem. Dies so zu sehen ist freilich (nur) den Gläubigen gegeben, die die Wahrheit genau kennen (V. 3) und eben nicht in Verirrung (πλάνη) leben.
Hier greift das personale Wahrheitsverständnis im Evangelium von Jesus als der „Wahrheit-in-Person“, (Joh 14,6)

Kernaussage

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Dank[gebet] empfangen wird.
Denn Am Ende jedes Schöpfungstages sah Gott das Geschaffene an und sagte dass es gut war. Am Ende der Schöpfung sagte er sogar „siehe, es war sehr gut“.
Eine Aufteilung der Schöpfung in an sich Gutes und Böses wird abgelehnt. Es kommt darauf an, was der Mensch daraus macht!
Andererseits ist das Natürliche … noch nicht durch sich selbst heilig, da die Natur den Menschen noch nicht mit Gott verbindet
Es muss hereingenommen werden in die Sphäre Gottes, in der sich ja auch der Christ befindet. Dies geschieht durch das Dankgebet, welches im Judentum regelmäßiger Bestandteil der Mahlzeit vor Beginn des Essens ist.

Worum es den Irrlehrern geht (Frucht oder Wurzel)

Heilig (ἅγιος) soll alles im Leben des Christen sein
„Heilig“ ist das aus dem großen profanen Bereich der Schöpfung speziell für Gott Herausgenommene und Ausgegrenzte, und „Heilige“ nennt ja auch Paulus die Christen (z.B. Röm 1,7)
Nur erliegen seine Gegner einem folgenschweren Irrtum: Sie teilen auch die Dinge der Welt von vornherein in „heilige“ und „profane“ ein.
Darum antwortete Jesus den Pharisäern (Mk 7,15): Nichts sei an sich unrein und deshalb für Gottes Leute ungeeignet, sondern es wird vom Menschen durch falschen Gebrauch unrein gemacht, oder es wird (wie Paulus schreibt) durch Gottes Wort und Gebet geheiligt.
Dreimal spricht Paulus vom Tischgebet (V. 3.4.5), das im Judentum gang und gäbe war und ist. Es ist mehr als nur ein Sich-bewusst-Machen, dass unsere Nahrung von Gott kommt. Darüber hinaus stellt es die Nahrung unter Gottes Segen, d.h. es bittet darum, dass Gott durch sie den Menschen unterstützen, ihm Kraft und Gesundheit zu seinem Leben und Tun geben möge.
Es stellt sich also die Frage: ist Heiligkeit eine Frucht oder die Wurzel des Baumes?
Mt 12,33 Entweder macht den Baum gut, dann ist seine Frucht gut, oder macht den Baum faul, dann ist seine Frucht faul; denn an der Frucht wird der Baum erkannt.
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