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Gottesdienst zum 3. Advent 2021

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VORSPIEL

Lied EG 16,1-2

VOTUM

Wir feiern diesen Gottesdienst Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!(Amen)

Begrüßung

Herzlich willkommen und einen Guten Morgen,
der Wochenspruch:
"Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig." | Jes 40,3.10h

Lied EG 19,1-3

Eingangsgebet

Lasst uns beten:
HERR,
Du bist für mich da, du verurteilst mich nicht.
Wenn ich deinen Namen anrufe, dann muss ich mich nicht fürchten.
Du bist Licht, wirf dein Licht in mein Herz, damit ich erleuchtete Augen des Herzens haben kann.

Predigt

Nun wisst ihr auch, wie ihr von uns denken müsst: Diener Christi sind wir, denen die Verkündigung der Geheimnisse anvertraut ist, die Gott uns enthüllt hat.
Und was erwartet man von jemand, dem eine Aufgabe anvertraut ist? Man erwartet, dass er sie zuverlässig ausführt.
Allerdings hat es für mich keinerlei Bedeutung, welches Urteil ihr über mich fällt oder ob sonst irgendeine menschliche Instanz über mich zu Gericht sitzt. Nicht einmal ich selbst maße mir ein Urteil über mich an.
Ich wüsste zwar nicht, dass ich mir etwas hätte zuschulden kommen lassen, aber damit bin ich noch nicht gerechtfertigt. Entscheidend ist das Urteil, das der Herr über mich spricht.
Urteilt also nicht vorschnell, sondern wartet, bis der Herr kommt. Er wird alles Verborgene ans Licht bringen, alles, was jetzt noch im Dunkeln liegt, und wird die geheimsten Gedanken der Menschen aufdecken. Dann wird jeder von Gott die Anerkennung bekommen, die er verdient.
1 Kor 4,1–5.
Wir sind Verwalter der Geheimnisse Gottes.
Wer schon mal verwalten musste, der weiß, es gibt bei Verwaltung eine Menge Regeln und Vorschriften zu beachten.
Oft so viele, dass es ein Mensch alleine nicht schafft, alles im Blick zu behalten.
Aus diesem Grund gibt es bei uns Menschen das "Vier-Augen-Prinzip".
Wenn wir zum Beispiel die Geldspenden nach dem Gottesdienst zählen, dann ist es Vorschrift, dass immer mindestens zwei Personen dabei sind und auch mit ihrer Unterschrift dafür gerade stehen, dass der Betrag stimmt. So viel sind wir den Besuchern unseres Gottesdienstes schuldig, die uns ihr Opfer anvertrauen. Sonst könnte sich einschleichen, dass einer alleine die Kollekte zwischen sich und Gott aufteilt.
Kennen Sie den Witz?
Treffen sich ein Rabbi, ein Priester und ein Imam zum Kaffee, wie jeden Montag.
Der Rabbi fährt in der ersten Woche des neuen Jahres auf einem nagelneuen Motorrad vor. Und die anderen staunen nicht schlecht.
Wie hast du das gemacht? Ich dachte, dein Lohn ist nicht besonders groß?
"Ich teile meine Kollekte mit dem Allmächtigen. Ganz einfach."
Die anderen beiden brummen und Nicken zustimmend.
Eine Woche später kommt der Priester im Taxi statt wie sonst mit der Bahn.
"Ich habs gemacht wie du: Ich hab gebetet *Gott, ich male jetzt einen Kreis hier auf den Boden und werfe die Kollekte hoch. Alles was in dem Kreis landet gehört dir und alles außerhalb darf ich diese Woche für Luxus verwenden. Abgemacht?*
Der Rabbi grinst und schüttelt den Kopf.
Ein paar Wochen später fährt der Imam ebenfalls mit einem neuen Auto vor, grinst und zwinkert dem Rabbi zu.
"Ich habs gemacht wie du: ich hab die Kollekte genommen und zwischen Allah und mir aufgeteilt. Eine Linie auf den Boden gemalt und gebetet, alles was auf der linken Seite hinfällt gehört mir und alles auf der rechten Seite gehört Allah."
Der Rabbi grinst und schüttelt den Kopf.
"Nein, Nein, Nein. Ihr habt zu wenig Glauben! Ich hab gebetet *Adoschem, du Schöpfer allen Lebens und aller Welten, Ich werfe jetzt alles Geld hoch und was du behalten willst, das behalte und was nicht, lass wieder runterfallen.*"
Wir haben in unserem Leben ebenfalls eine Menge anvertraut bekommen.
Unsere Zeit, die Reichtümer dieses Landes, die Bildung, die wir genießen dürfen und nicht zuletzt das Evangelium - die Frohe Botschaft von Jesus Christus!
Im Gegensatz zu der Geldmenge der Kollekte kann von uns keiner von außen erkennen, wenn wir an Verkündigung oder guten Taten zurückhalten.
Niemand kann von außen erkennen, ob oder ob nicht die Menschen zweifeln oder in ihrem Herzen glauben. Das kann nur Gott allein erkennen.
Es hilft also nichts, wenn wir uns einen Bruder oder eine Schwester dazu holen, um unser Leben zu beurteilen.
Selbst wenn die komplett rechtschaffen sind, haben sie immer noch nur die Hälfte von mir gesehen.
Paulus weiß das und verlässt sich nicht auf das Urteil anderer Menschen, um zu beurteilen, ob oder ob nicht er einer der Gerechten ist.
Selbst wenn man einen Zettel dabei hätte, wo andere Leute einem bescheinigen, dass man einer der "Guten" ist, sei es vor Hundert Jahren der Ariernachweis, das Parteibuch der DDR, die Mitgliedskarte im Fitnessstudio, der Lastenrad-Führerschein oder der Impfnachweis für die 27te Booster-Impfung
- nichts davon hat Gewicht vor Gott.
Das sagt alles nichts aus über dich.
Paulus gibt dem Urteil der Menschen in seinem Herzen keinen Raum, sei es gut oder schlecht.
Das sagen auch die Stoiker. Die Philosophen aus einer Zeit vor Jesus meinten, es sei nur eines Wichtig: ob du dich selbst für gerecht hältst, also ob du am Ende des Tages sagen kannst:
Heute war ein Guter Tag, ich habe nichts Falsches gesagt, habe mich nicht beschwert und bin geduldig mit meinen Mitmenschen umgegangen. Ich bin bei der Wahrheit geblieben und kann sagen, ich war heute meinen Prinzipien treu.
Ich wünsche uns allen solche Tage.
Aber Paulus geht sogar noch einen Schritt weiter:
In unserem Abschnitt des Korintherbriefs sagt er:
Nicht einmal ich selbst maße mir ein Urteil über mich an.
Ich wüsste zwar nicht, dass ich mir etwas hätte zuschulden kommen lassen, aber damit bin ich noch nicht gerechtfertigt. Entscheidend ist das Urteil, das der Herr über mich spricht.
Ich habe die Tage oft gehört, dass der Maßstab unserer Christlichen Existenz das jeweils eigene Gewissen sei. Das könnte nicht weiter weg sein von der Wahrheit.
Wir maßen uns an, zu beurteilen, uns selbst gerecht zu sprechen, nur weil wir für einen Moment kein schlechtes Gewissen haben?
Seien Sie ehrlich mit sich selbst bei der nächsten Frage:
Ist es dir noch nie passiert, dass du erst lange im Nachhinein feststellen musstest, dass du jemandem Unrecht getan hast?
Ich bin verheiratet, also kann ich da bestimmt einige Beispiele nennen, wenn ich mich anstrenge, aber mal im Ernst:
Wir besitzen nicht mal annähernd genug Informationen, um zu beurteilen, was "Gesundes" und "Ungesundes" Essen sein soll.
In den 80ern war Fett böse, dann war es Salz, irgendwann waren es eine Weile die Kohlenhydrate, jetzt ist es momentan alles Tierische...
Was kommt als nächstes? Wasser?
Wenn wir in einer so simplen Sache wie die Ernährung keine eindeutige Position finden können, wie können wir es dann in spirituellen Dingen behaupten?
Also was tun?
Urteilt also nicht vorschnell, sondern wartet, bis der Herr kommt. Er wird alles Verborgene ans Licht bringen, alles, was jetzt noch im Dunkeln liegt, und wird die geheimsten Gedanken der Menschen aufdecken. Dann wird jeder von Gott die Anerkennung bekommen, die er verdient.
Diese Perspektive nennt man Demut.
Werde dir selbst bewusst, dass du nicht mal über dich selbst ein definitives Urteil sprechen kannst und dann werden deine Urteile über andere auch milder.
Es gehört zur menschlichen Welt, Urteile zu fällen, Entscheidungen zu treffen - das ist klar.
Aber gerade in der momentanen Zeit, wo unsere Gesellschaft und damit auch die Kirche derart gespalten wird müssen wir diese reformatorische Erkenntnis auf unsere Hand schreiben:
Es ist keiner Gerecht. Nicht einer.
Deshalb üben wir an Weihnachten Demut, wie der Allmächtige, der sich so klein gemacht hat in der Krippe.
Deshalb üben wir bedingungslose Liebe, wie seine Mutter Maria, die Gottesgebärerin.
Deshalb nehmen wir unsere Verwandschaft und Gesellschaft an, wie Josef, der unserem Herrn ein guter Vater wurde.
Wir beten:
Allmächtiger Gott, du hast uns dieses Leben anvertraut.
Wir beten um Frieden in dieser Welt,
Wir beten um Frieden in diesem Land,
Wir beten um Frieden in unseren Herzen.
Gib uns die Gewissheit, dass du uns bedingungslos annimmst.
Wir schauen auf Dich Jesus, wahres Licht vom wahren Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, wie du in der Zeit des Advents unter dem Herzen der Gottesmutter ruhst.
Wir sehen auf Maria und preisen sie dafür, dass sie sich Dir zur Verfügung stellt.
Advent heißt warten lernen und wir danken dir für diese Gelegenheit.
So wartet auch die Schöpfung auf deinen Tag, Herr -
Wie eine schwangere Frau auf die Zeit der Geburt.
Hilf uns, Herr, sei uns gnädig und komme bald.
Amen.

Lied 16,3-5

Vater Unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Abkündigungen

Herzlichen Dank für die Kollekte beim letzten Gottesdienst hier in Kirchdorf. Sie betrug 86,36 Euro und war für die eigene Gemeinde bestimmt.
Das Opfer des heutigen Gottesdienstes erbitten wir für die Renovierung des Gemeindezentrums.
Am nächsten Sonntag, 19. Dezember 2021 feiern wir um 10.15 Uhr Gottesdienst in Präsenz, soweit es die Inzidenzzahlen zulassen, hier in unserem Gemeindezentrum. Bitte melden Sie sich zum Gottesdienst möglichst über unsere online-Plattform (den Link finden Sie auf der Homepage) oder telefonisch am Donnerstag zwischen 18-19.00 Uhr im Gemeindebüro an.
Bereits heute können Sie sich auch schon für die Weihnachtsgottesdienste anmelden. Für diese Gottesdienste ist eine Anmeldung verpflichtend.

Segen

Empfangt den Segen des Herrn: Es segne und behüte euch, Gott der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Nachspiel

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