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Gott braucht dich - reiß nicht vor ihm aus!

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Gott braucht dich - reiß nicht vor ihm aus!

Liebe Gemeinde,
vor ein paar Tagen lief wieder einmal in einem der Fernsehprogramme der Filmklassiker “Sister Act”. Ich muss zu geben, er gehört zu meinen Lieblingsfilmen.
Tamara stöhnt zwar jedes Mal, wenn ich mir Filme zum wiederholten Mal ansehe, aber bei diesem Film muss das sein, weil dieser Film ungeheuer viele Aussage hat, auch gerade für uns Christen.
Da ist sie, die Barsängerin Deloris van Cartier. Sie wird Zeugin eines Mordes, den ihr verheirateter Liebhaber verübt. Sie kommt gegen ihren Willen als Schwester Mary Clarence im Rahmen des Zeugenschutzes in ein katholisches Kloster. Dort hat sie natürlich Eingewöhnungsprobleme und wird dann von der Mutter Oberin beauftragt im Nonnenchor, dessen Gesangskünste desaströs sind, mitzusingen. Sie übernimmt dann die Leitung des Chores. Soweit der Einstieg.
Was mir noch wichtig in diesem Film ist? Deloris, oder besser Mary Clarence freundet sich mit zwei Schwestern an und dann bückst sie auch mal aus in die “Welt” - was die vor dem Kloster befindliche Straße und die gegenüberliegende Kneipe ist. Die beiden Schwestern folgen ihr. “Endlich können wir missionieren” - das ist das Resümee der beiden jungen Schwestern. Ganz anders die Reaktion der Mutter Oberin bei der Reformante, die Mary Clarence erfährt: “Ich muss doch meine Schwestern vor dem Bösen in der Welt schützen”.
Aber wie wir dann sehen, der Same ist gelegt. Es ist etwas in Gang gesetzt, was nicht mehr aufzuhalten ist. Die Öffnung nach draußen in die Welt erfolgt. Die Straße vor dem Kloster wird aufgeräumt und verschönert. Der Kontakt zu den Menschen entsteht und wächst.
Leider ist das Schützen wollen, vor der “Bösen Welt” in dem Film nicht die Ausnahme, sondern kommt bei uns Christen sehr oft vor. Ich - wir wollen mit denen da draußen nichts zu tun haben. Wir sind doch lieber als Christen der Kuschelclub der Erretten.
So ähnlich ist es in unserem Predigttext bei Jona. Wir haben ihn vorhin schon als Lesung gehört.
Doch daß das mit den Zurückziehen nicht funktioniert, sehen wir hier. Denn Gott wirkt anders, als wir denken und wollen. Gott geht hier dem Jona nach, auch wenn dieser ausreißt und sich verstecken will. Auch hier und auch bei uns ist das so. Auch wir können uns nicht vor Gott und unserer Berufung verstecken.
Die Geschichte mit Gott und Jona beginnt erst einmal ganz normal. Jona wird von Gott in den Dienst als Prophet berufen. Nun Prophet sein ist sicher kein leichter Job. Er beinhaltet viele Gefahren in sich. Er kann das Leben kosten. Aber es ist auch etwas besonderes ein Prophet Gottes zu sein. Jetzt aber würde es Jona nicht gern sein wollen.
Dennoch Jona ist berufen. Berufen zu einem Dienst, zu einer Aufgabe. Man macht das nicht von sich aus. Gott steht dahinter, gibt dem Propheten die Vollmacht. Es ist kein leichter Job, den Jona da machen soll, sein geliebes Israel verlassen - sozusagen den Schutzraum, wie vorhin die Nonnen das Kloster - und in die damals größte Stadt im mächtigsten Land zu gehen und dort den Untergang zu verkündigen. Nach Ninive in die Hauptstadt des Assyrischen Reiches.
Machen wir uns nicht vor, das bewirkt beim Propheten Ängste, große Ängste, auch wenn er eigentlich Gott auf seiner Seite hat. Doch die Macht der Menschen ist groß, bei denen er auftreten soll, besonders weil die Assyrer, also die Leute von Ninive, als besonders blutrünstig verrufen sind und schnell kurzen Prozess mit solchen Leuten, wie ihm, machen, der da ein paar Drohungen ausspricht. Da können wir uns sicher gut vorstellen, dass das Herz in die Hose gerutscht ist. Darum hat sich Denn mit Tarsis hier ist nicht eine Stadt in Kleinasien gemeint, sonderen eine Provinz in Spanien weit hinter Gibraltar. Soweit hatte Jona vor, vor Gott zu fliehen.
Vielleicht geht es uns auch so, da wissen wir um ein Aufgabe, für die wir uns berufen fühlen, einen Dienst, vielleicht im Ehrenamt in der Kirchgemeinde oder in der Kommunalgemeinde oder in der Nachbarschaft oder wir wissen darum, dass wir jemanden vielleicht wieder die Hand zur Versöhnung reichen sollten und laufen doch weg. Wir haben viele Gründe dafür. Sicher recht gute Gründe: keine Zeit, die Familie, die Arbeit und vieles mehr. Doch es lässt uns nicht los. Wir laufen weg. Weit weg.
Vielleicht laufen wir als Gemeinde in diesen Tagen weg, wenn wir Menschen in der Corona-Pandemie helfen und beistehen müssten? Auch das müssen wir uns heute immer neu fragen. Ich höre da die Vorwürfe mancher Leute: “Die Kirche hat in der Corona-Pandemie versagt.” Sind diese Vorwürfe berechtigt? Sind sie uns gegenüber berechtigt? Haben wir versagt?
Nun Jona findet tatsächlich ein Boot. Er hat auch das nötige Geld um die Überfahrt zu bezahlen. Wir müssen wissen: Der Kapitän und die Schiffssleute sind erfahrene Seeleute. Denn das waren die Phönizier, die damals den Schiffsverkehr im Mittelmeerraum bestimmten. Sie kennen diese Route übers Mitelmeer bis nach Spanien und hatten manchen Sturm getrotzt. So war für sie ihr Passagier erst einmal nichts besonderes. Vielleicht fiel er wegen seines Gehetzseins auf.
Dennoch war dann diese Schiffsfahrt anders als alle bisherigen. Seestürme hatte der Kapitän und seine Mannschaft schon viele erlebt und gemeistert. Doch dieser Sturm war größer und stärker als alle bisherigen. Sie hatten von Anfang an die Ahnung, dass dieser Seesturm nicht bloß eine Wetterunbilde sein kann, sondern dass da mehr dahinter steckt. Dass da ein Gott wirkt. Deswegen blieb ihnen nur noch eins übrig: “zu beten”, jeder zu seinem Gott. Er möge sie doch retten.
Die Seeleute waren gestandene Matrosen. Ihnen machte schlechtes Wetter normalerweise nichts aus. Doch dieser Sturm muss in der Tat furchterregend gewesen sein, weil man alle bekannten und unbekannten Götter anrief. Nur einer tat es nicht - Jona. Mitten in der größten Kathastrophe liegt dieser im Schiff und schläft. Aber das ist kein Gottvertrauen, dass Gott vielleicht in der Not retten wird. Nein, denn Jona hat sich vor der Gefahr in den Schlaf geflüchtet. Ich weiß nicht, ob ihr das auch kennt, wenn einem eine schlimme Sache begegnet, da möchte man manchmal am liebstens ins Bett und sich unter die Bettdecke verkriechen. So ist es hier bei Jona.
Dagegen sind die Seeleute hellwach. Auch geistlich. Sie sind auch offen den Gott Jonas anzurufen, offener als Jona selber. Erst der heidnische Kapitän muss Jona aus seiner geistlichen Lethargie wecken und auffordern: “Bete zu deinem Gott! Vielleicht ist er der Gott, der retten kann”.
Dann machen die Seeleute etwas für uns ungewöhliches, aber es kommt doch einige Mal in der Bibel vor. Und in der Antike war das nichts ungewöhnliches. Sie werfen das Los um die Schuldfrage zu klären und es trifft, wie kann man es auch nicht anders erwarten, Jona. Und Jona gibt auch zu, dass er schuldig ist und, dass er vor seinem Gott floh. Aber statt in Panik zu geraten oder gleich Jona über Bord zu werfen, handeln die Seeleute richtig vorbildlich. Sie hören sich an, was Jona zu sagen hat, um die richtige Entscheidung treffen zu können. Sie erweisen ihm und seinem Gott den größten Respekt. Selbst als Jona ihnen vorschlägt, ihn über Bord zu werfen, machen sie es noch lange nicht. Ja sie tun ihr Möglichstes, um das zu vermeiden. An jedem Punkt der Geschichte stellen sie Jona mit ihrem Verhalten in den Schatten.
Nun stellt sich uns die Frage: Sind wir nicht manchmal wie Jona? Laufen wir nicht vor Gott weg, obwohl er für uns einen Auftrag hier in unserer Welt hat, hier in unserem Ort, in unserem Dorf, in unserer Kirchgemeinde, in unserer Nachbarschaft, da wo wir leben? Möchten wir nicht manchmal weit weg sein, von dem, was unser Ruf und unser Auftrag als Christen in unserer Welt ist. Doch dann kommen sie, unsere Mitmenschen, und fragen uns als Kirche, als Gemeinde, als Christen, nach unserem Engagement für das Gemeinwohl: Wo sei ihr Christen? So wie hier ein heidnischer Schiffskapitän den heiligen Propheten Gottes getadelt hat. Er wirft ihm vor, dass er sich nicht um das Wohl der Menschen in dem Schiff kümmert, die doch buchstäblich alle mit ihm im gleichen Boot sitzen.
Wir alle – Gläubige und Nichtgläubige – sitzen „in demselben Boot“. (Auf niemanden trifft dieses alte Sprichwort mehr zu als auf Jona hier!)
Wenn eine Stadt oder eine Kommune unter hoher Kriminalität leidet oder unter einer Epidemie, wie wir jetzt alle in unserem Land unter der Corona- Pandemie leiden, oder wenn das Trinkwasser knapp wird oder die Arbeitslosenquote in die Höhe schnellt, wenn es wirtschaftlich oder sozial Probleme gibt, sitzen wir alle im selben Boot. Wir haben dann gemeinsam zu handeln.
Dort in dem Schiff wohnt Jona in demselben „Viertel“ wie diese Seeleute. Damals gab es keine Passagierkabinen und selbst wenn, der Sturm, der eine Person bedroht, bedroht die ganze Gemeinschaft. Darum ist gemeinsam zu handeln.
Jona hat die Flucht ergriffen, weil er nicht für das Wohl der Heiden tätig werden wollte, sondern ausschließlich für das der Gläubigen. Er wollte nur Prophet in Israel sein. Ob er dort seinen Job gut gemacht hat, steht noch auf einem anderen Blatt.
Doch hier zeigt Gott ihm, dass Gott der Gott aller Menschen ist. Jona musste lernen, dass er Teil der gesamten Menschheit ist und nicht nur einer bestimmten religiösen Gruppe. Das gilt auch für uns heute. Gott will, dass wir Menschen aus anderen Ethnien und Religionen mit Achtung, Liebe, Großzügigkeit und Gerechtigkeit begegnen.
Jona nutzt nicht die Möglichkeiten, die sein Glaube ihm bietet, um das Leiden seiner Mitbürger zu lindern. Er sagt ihnen nicht, wie sie eine Beziehung zu dem Gott des Himmels und der Erde aufbauen können. Er nutzt noch nicht einmal seine eigene Beziehung zu Gott dazu, seine Mitmenschen zu lieben und ihnen ganz praktisch zu helfen. Viel lieber lässt er sich in ein Grab werfen, um zu sterben. Er reißt immer noch vor Gott aus. Flüchtet sich jetzt in die tieftsten Tiefen des Meeres, aber auch da ist Gott. Doch wie heißt es schon in Psalm 139,9-10:
Psalm 139:9–10 LU
9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, 10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.
Ein weiterer Grund, warum sich Jona so dagegen gewehrt hat, als Bußprediger nach Ninive zu gehen, war, dass für sein Selbstbild das Ethnische wichtiger als das Religiöse war. Wie kann für jemanden mit einer geistlich oberflächlichen Identität, der Auftrag, andere Völker zum Glauben an Gott zu rufen, attraktiv sein?
Jona war seine Beziehung zu Gott weniger wichtig als seine Nationalität. Das wird in seiner Antwort an die Seeleute deutlich - er sah sich als ein Hebräer und erst dann kam sein Glaube an Gott. Es wird deutlich, wenn er zwischen seiner Nation und Gottes Wort wählen müsste: Lieber stehe ich zu meinem Volk, als dass ich Gottes Liebe und Wort in eine fremde Gesellschaft bringe …
Leider finden wir diese Einstellung heute auch bei vielen Christen. Es ist nicht einfach das Ergebnis mangelhafter Bildung oder kultureller Scheuklappen, sondern wird durch die Beziehung zu Gott bestimmt, die sie durch Jesus Christus haben. Sie ist nicht tief genug ins Herz gedrungen. So wie bei Jona sehen, definieren sie dann Gott und seine Liebe nicht als die grundlegendeste Schicht ihrer Identität.
Diese muss aber nicht nur Nationalität sein, sondern kann auch Karriere, Hobby, Familie oder anders heißen, welches die Entwicklung eines christlichen Selbstbildes blockieren kann. Die Heiden, hier erst einmal die Seeleute und dann auch die Leute von Ninive, sind für Jona nicht einfach anders, sie werden für ihn zu den Anderen, die er gleich auf mehrfache Weise ausgrenzt. Wo grenzen wir Menschen aus, bewusst oder auch unbewusst?
Den Seeleuten blieb am Ende nicht anderes übrig als Jona ins Meer zu werfen. Aber wenn wir den Text lesen, spüren wir den Widerwillen, den sie dabei empfinden. Sie gehen davon aus, dass sie diesen Menschen töten und damit vor Gott schuldig werden. Sie rufen schon im Vorfeld um Vergebung und Erbarmen bei dem Gott des Propheten Jona. Der Sturm legte sich, das Meer wurde wieder ruhig. Aber das Leben der heidnischen Seeleute veränderte sich - Gottvertrauen und Glaube entstand und wuchs. Sie sind tief beeindruckt von dem, was sie da erlebt haben. Als das Meer sich auf der Stelle beruhigt, werden sie von einer noch größeren „Furcht“ gepackt als der Angst vor dem Ertrinken. Aber diese Furcht unterscheidet sich qualitativ von der vorherigen. Es ist die Furcht vor „dem HERRN“ - Gottesfurcht.
So wurde Jona auf seiner Flucht vor Gott zum Missionar wider Willen. Dennoch besteht seine Aufgabe weiterhin - Ninive das Gericht zu verkünden - und Gott lässt ihn nicht los, bis er es tut.
Auch uns lässt Gott nicht los - er geht mit uns. Und da wo wir versagt haben, können wir neu beginnen. Auch im Umgang mit denen, die nicht an Gott glauben und doch uns brauchen.
Amen.
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