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Übertrefft euch gegenseitig an Wertschätzung! (Röm 12,10b)

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Transcript
Der begleitende Foliensatz ist erhältlich auf http://www.bibelunterricht.de/_media/lehrdienste/material/predigtenundvortraege/rom_12_10b._uebertrefft_euch_gegenseitig_an_wertschatzung.pdf

Einleitung

Startfolie: Jes 40,8
Das Thema der heutigen Predigt hat mehrere Herausforderungen.

Persönliche Traurigkeit, Betroffenheit, Frustration

Eine Herausforderung besteht darin, dass diese Predigt aus einer persönlichen Traurigkeit und Betroffenheit heraus geboren wurde. Ich werde nachher das Wort Frustration verwenden, was meinen Gemütszustand recht gut beschreibt. Diesen Umstand benenne ich hier offen, weil das vielleicht meine Akzente verschiebt und ich bitte euch dann um Eure barmherzige Nachsicht. Ich hatte auch überlegt, ob ich wegen der persönlichen Betroffenheit ein anderes Thema wähle: Ich will und darf diesen kostbaren Dienst, Prediger des Wortes Gottes zu sein, nicht mit meinen eigenen Interessen vermischen. Meine Interessen und meine Person sind wie die Blume und das Gras: Wir sind endlich und schnell vergänglich.
Ich denke aber, dass ein Prediger einen vermeintlichen Missstand ansprechen kann und vielleicht sogar muss. Da Gottes Wort in Ewigkeit besteht, gehört es zu jeder Zeit gepredigt, ob gelegen oder ungelegen. Möge Gott schenken, dass das Persönlich-Vergängliche vom Göttlich-Ewigen verblasst. Daher werde ich keines der etlichen persönlichen Beispiele als Illustration verwenden, an die ich mich in der Predigtvorbereitung erinnerte.

Die Zeit ermöglicht nur einen kleinen Ausschnitt zum Thema

Die zweite Herausforderung ist die zur Verfügung stehende Zeit: Das Thema ist auch größer als unsere kleine Zeit heute morgen: Ich muss Dinge als Eintopf vorstellen, die eigentlich differenziert werden müssten.
Auch wird die seelsorgerliche Sicht zu kurz kommen: Aus dem, was wir uns heute anschauen, folgt ein tiefes Meer seelsorgerlicher Aspekte. Wegen meiner eingeschränkten seelsorgerlichen Kompetenz und aus Zeitgründen kann ich manches davon nur andeuten.
Ich lade die Hauskreisverantwortlichen ein, das Thema aufzugreifen und einige meiner Unzulänglichkeiten und Beschränkungen zu lindern. Dazu am Ende mehr.

Hauptteil

Wir werden heute einen halben Vers aus vier verschiedenen Blickwinkeln betrachten:
Folie (Gliederung)
Der Bibelvers steht zu Beginn von Röm 12. Während Ihr dieses Kapitel aufschlagt möchte ich kurz erklären, an welcher Stelle des Römerbriefes dieser Vers steht.
Paulus hatte in den vorangegangenen 11 Kapiteln ausführlich darüber gesprochen, warum der Mensch Rettung benötigt und wie diese Rettung möglich wurde. Er hat ganz viel berichtet über das, was Gott durch Jesus Christus bereits getan hat - und der Mensch es nur noch annehmen muss. Die ersten elf Kapitel beschrieben den sogenannten Heilsindikativ: Seht, was Gott bereits völlig vollständig getan hat.
Kapitel 12 beginnt dann mit der Aussage “Angesichts der Barmherzigkeit Gott [die ich euch in den vorangegangenen 11 Kapiteln dargelegt habe], ermahne ich euch nun: Bringt eure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefäliges Opfer dar: Das ist euer vernünftiger Gottesdienst.” Dem schließen sich dann längere Listen von Anweisungen an, weswegen die Theologen auch sagen: Kapitel 1-11 ist der Heilsindikativ: Seht was Gott getan hat. Ab Kap. 12 folgt dann der Heilsimperativ: Weil Gott aus diesen Gründen und auf diese Weise errettet hat, deswegen seid nun Ihr dran: lebt entsprechend!
Das bedeutet - in aller Kürze - zwei Dinge:
Was jetzt an Anweisungen folgt, ist keine Option, keine Wahklmnöglichkeit, sondern es ist das, was Gott von jedem Christen erwartet: Es ist ein total vernünftiger Dienst für Gott.
Das, was hier erwartet wird, wird von denen erwartet, die einen rettenden Glauben haben. Ohne persönlich die Rettung erlebt zu haben, von denen Kapitel 1—11 sprechen, kann man die Imperative ab Kapitel 12 eher schlecht als recht ausführen. Ich persönlich kannte einen Menschen, der das heutige Thema viel besser lebte als ich - und er hatte keinen rettenden Glauben an Jesus Christus. Es gibt also Menschen, die ohne Gott in einem gewissen Maße Gottes Willen tun. Und doch ist die Rettung die unverzichtbare Grundlage, um diesen vernünftigen Gottesdienst zu praktizieren.
Beachten wir also die Reihenfolge! Versuchen wir nicht, die Rettung durch das angestrengte Einhalten dieser Befehle zu bekommen! Sondern suchen wir immer in dem, was Christus für uns ist und was er für uns getan hat, die Motivation, die Kraft und die Befähigung zu sehen, zu tun, was richtig ist.
Zum Beispiel das, was in Röm 12,10 b steht - also dem zweiten Satz in Röm 12 Vers 10.
Zügig vorlesen: Folie “Röm 12 Vers 10b in verschiedenen Übersetzungen

Was sollen wir tun?

Abschnittsfolie “Was sollen wir tun?”
Gehen wir im ersten Schritt, wie gesagt, auf die Frage ein: Was sollen wir tun?

Was sagt der Bibeltext?

Ein Satz, so viele verschiedene Übersetzungen. Wenn wir aber ein wenig aus der Adlersperspektive schauen, merken wir, was von uns erwartet wird, oder?
Folie mit Hervorhebung des “Was”?
zügig wechseln zu: Folie “griechisch time = Ehererbietung, Achtung, Wertschätzung, Respekt”
Mit diesen vier Wörtern geben unsere Übersetzung des griechische Wort τιμή = timē wieder. Der Vorname Timeon, genauer Timon: heißt “ehrwürdig, achtenswert”.
Ich denke, dass das Wort “Ehrerbietung” dem intensiven Bibelleser durchaus vertraut ist, aber es ansonsten nicht mehr zum aktiven Sprachwortschatz gehört. In unserer westlichen Welt der Demokratie reden wir ab und zu noch von Ehrungen, die ein Sportler oder ein guter Mensch bekommt. Aber für den alltäglichen Umgang miteinander wird wohl eher von “Respekt” oder “Wertschätzung” gesprochen.
Auch wenn es Gott ist, dem alle Ehre in Ewigkeit gebührt, so spricht Röm 12 dennoch vom innergemeindlichen Umgang: respektiert einander, achtet einander, zeigt einander Wertschätzung!

Weitere Bibeltexte

Dies ist nicht die einzige Bibelstelle, die uns auffordert, dass wir einander ehren sollen:
in 1Petrus 3,7 werden die Männer aufgefordert, die Frauen zu ehren, zu respektieren und zu achten. Dasselbe Wort: τιμή !
Eph 6,2 erinnert die Kinder an das alte Gebot:
Epheser 6,2 NeÜ
2 „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ – so lautet das erste Gebot, dem eine Zusage folgt –,
Ehre deine Eltern - τιμή !

Was bedeutet das praktisch?

Nächste Folie “Wie kann Wertschätzung in der heutigen Zeit aussehen - nur vorlesen.
Ich habe dies vor einem Jahr auf eienr Konferenz für 3.800 Pastoren erlebt. Wir hatten tolle Prediger und Redner und etliches hat mich dort richtig erbaut. Aber das mit Abstand beeindruckendste und ermutigendste waren die 800 ehrenamtlichen Helfer der gastgebenden Gemeinde.
Folie mit Schuhputzern
Die haben nicht einfach einen Job gemacht, weil man sie dazu verdonnert hatte. Viele machen das seit Jahren und Jahrzehnten - jedes Jahr neu und freiwillig. Es ist ihnen eine Ehre, den weltweit tätigen Pastoren zu dienen: Vom Essensverteiler über die Security bis hin zur Toilettenreinigungscrew - sie alle erfreuten uns mit einer herausragenden Freundlichkeit, Professionalität und maximalen Gastfreundschaft, das war so “overwhelming”, mir kamen einige Male heimlich die Tränen!
Einer der Schuhputzer ist übrigens einer der Ältesten dieser Gemeinde. Bevor er pensioniert wurde, war er Richter am Obersten Gericht von Kalifornien. Er freut sich, seinen Amtsbrüdern die Schuhe zu putzen und dabei ins Gespräch mit ihnen zu kommen und über das Wirken Gottes in dessen Land und Gemeinde zu hören.
Folie Nüsse und Eis
Man wurde überaus gut versorgt - 3.800 Leute, die fast zeitgleich essen wollen - für einen Organisator wie mich ist es ein Fest dabei zuzuschauen, wie gut das organisiert ist und mit wie viel Liebe und Entspanntheit sie es tun - für die Menschen, die sonst mit der Last eines pastoralen Dienstes beschwert sind.
Diese jungen Frauen (auf dem Foto) waren eine Versuchung für mich: Ich spazierte an ihnen vorbei und sie sprachen mich an, ob ich nicht ein Eis bekommen möchte. Kostenlos, wohlgemerkt. Als ich etwas von “zu vielen Kalorien” und “ich müsse auf meine Figur achten” antwortete, lächelten sie mich an und meinte: “Ihr Pastoren seid das ganze Jahr für uns Menschen da - lasst euch doch einmal im Jahr verwöhnen!”
Mir geht es hierbei nicht um die Aktionen Schuhputzen, Nüsseverteilen oder Eisverschenken. Mir geht es um die Kultur, die diese Kinder Gottes haben: Wir wollen Euch τιμή bringen: Achtung, Respekt, Ehre und Wertschätzung!
Abschnittsfolie

Wie sollen wir es tun?

Kurze Auflockerung

Folie mit verschiedenen Bilder, auf denen ein Wettrennen stattfindet. Frage: was haben diese Dinge gemeinsam? Antwort: Jeder versucht, den anderen zu überholen, vor ihm da zu sein.
Das soll ein hoffentlich einprägsames Bild sein, wie dieser vernünftige Gottesdienst der gegenseitigen Wertschätzung aussehen soll!

Was sagt der Bibeltext?

Folie “Wie sollen wir es tun?” (Überblick)
Die Bibelübersetzungen sind auch hier zunächst unterschiedlich. Wenn wir die wesentlichen Übersetzungen mal zusammen fassen, dann ergeben sich folgende Begriffe:
Folie … Zusammenfassung
Wir sollen einander bei dieser Ehrerbietung, Achtung, Wertschätzung übertreffen, wir sollen dabei einander zuvorkommen.
Klick auf Folie blendet Auszug aus den Wörterbüchern ein
So sehen es auch die Wörterbücher für das griechische Wort: da finden wir auch “anführen” oder höher schätzen. Auf dieses Höherschätzen kommen wir in wenigen Sekunden zurück:

Zutaten zum gemeindlichen Familienleben

Folie “DIe Zutaten zum gemeindlichen Familienleben (1/2)
Das grundlegende Klima in der Gemeinde ist die herzliche Bruderliebe, das steht u.a. im ersten teil unseres Satzes aus Röm 12,10.
Daraus fließt dann das christliche Erbarmen, den Wert des anderen höher als unseren eigenen Wert zu schätzen. Das erinnert uns an die Aufforderung aus
Philipper 2,3–4 NeÜ
Tut nichts aus Streitsucht oder Ehrgeiz, sondern seid bescheiden und achtet andere höher als euch selbst! Denkt nicht nur an euer eigenes Wohl, sondern auch an das der anderen!
Was bedeutet dies nun ganz praktisch?
Folie Zutaten... (2/2)
In anderen Worten: Es ist nicht gut, dass wir uns zurücklehnen und abwarten,
bis jemand anderes dem Ehre erweist, dem Ehre gebührt,
bis jemand anderes den liebt, dem Liebe gebührt.
bis jemand anderes Zeit, Fähigkeiten und Vermögen aufbringt, um dem Gegenüber bei seinen Nöten zu helfen.
Lasst uns
schnell, ihn zu belohnen,
schnell ihm Respekt erweisen,
schnell Liebe zu zeigen,
schnell ein Bedürfnis zu stillen,
...das ist möglicherweise die intensivste Form von Demut!
Wir sollen einander darin überholen, unsere Wertschätzung auszudrücken. Wir wollen der Erste sein, der das tut!

Tipps der Weisheit

Folie “Wie sollen wir es tun: Tipps der Weisheit (hoffentlich)
Während meiner Teamtrainings im Schwabenland höre ich häufig die Aussage: »Nicht g‘schimpft ist genug gelobt.« Man lobt sich nicht gegenseitig, anerkennt die Leistung nicht: Wenn nicht gemeckert wird, war’s wohl okay.... Die Bibel spricht da aber eine andere Sprache!
Ja, lasst uns vor Hochmut warnende Bibelstellen wie Spr 29,25; 26,28, 1Kor 4,5 ernstnehmen. Wir wollen sie aber nicht gegen andere zur Wertschätzung aufrufende Stellen ausspielen. Das wird dem Wort Gottes nicht gerecht. Ich befürchte, dass es Brüder gibt, die meinen heutigen Ausführungen nicht so zustimmen werden. Das tut mir leid. Ich kann nur sagen: Auch ich weiß, was John Nelson Darby an jenen Bruder damals geschrieben hat (der ihn in einem Vorwort nach Ansicht von Darby zu sehr gelobt hatte). Ich kann den damaligen Gedanken durchaus nachvollziehen und fand die Art, wie Darby geschrieben hat, sehr nett und wertschätzend. Die Position von Darby ist aber nur ein Aspekt des Themas...
Achte z.B. auf die mehrfache Wertschätzung, die Paulus im Brief an Philemon (und die Gemeinde in seinem Haus) ausdrückt!
Folie “Warum sollen wir es tun?”

Warum sollen wir es tun?

Diesen Abschnitt will ich kurz halten, zumal er sich mit dem nächsten überschneidet.
Es steht in der Bibel; der Herr möchte es so („vernünftiger Gottesdienst“).
Horche in dich hinein: Möchtest du,
dass man dein Engagement wertschätzt,
dass man dein Bemühen achtet (ungeachtet etwaiger Misserfolge)
dass man es anerkennt, wie du dich einbringst – mit Gedanken, Ideen, Taten und ggf. auch sachlicher Kritik?
Dann beachte die Goldene Regel: » Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!«

Tipps der Weisheit (hoffentlich)

Wenn du Wertschätzung in angemessenem Umfang und Häufigkeit gezeigt hast, wird eine gelegentlich Negativ-Kritik leichter annehmbar sein.
Vermeide ein „Lob am Anfang“, um eine Negativkritik vorzubereiten. Das verfängt selten!
Anerkenne bloß nicht, um einen weiteren Auftrag zu platzieren.
Übe Wertschätzen, weil es deinen Blick darauf lenkt, dass vieles keineswegs selbstverständlich ist.
Gibt der andere mangels Wertschätzung frustriert auf, merkst du es zu spät!
Abschnittsfolie

Was passiert, wenn wir es nicht tun?

Folie “Fehlende Wertschätzung”
Der Top-Grund, warum Mitarbeiter kündigen: zu wenig Wertschätzung durch den Chef! 45% der Arbeitnehmer kündigen aus Mangel an Wertschätzung, 40% wegen eines zu geringen Gehaltes und 38% wegen eines attraktiveren Angebots.
Das gilt auch für Ehrenamt, Gemeinde, Familie, Ehe und Freundschaft: Wenn keine Wertschätzung rumkommt, ist schnell der Gedanke da: »ich kann mein Engagement auch sein lassen – scheint ja nicht wichtig zu sein / scheint ja nicht gut genug zu sein.«
Das Ergebnis ist möglicherweise Frustration (von lat. frustra = vergeblich). Und das nur, weil wir uns nicht in gegenseitiger Wertschätzung überholt haben?

Outro

Folie “Vielleicht besprecht ihr...”
Ich möchte Euch einladen, am Mittagstisch, beim Kaffeekränzchen und bei einem der nächsten Hauskreise über dieses Thema zu sprechen.
Wie erleben wir uns:
Sind wir für wertschätzenden Umgang bekannt? Wenn nein: warum?
Überholen wir dabei einander?
Wie findet man Punkte, für die man anderen Respekt / Wertschätzung äußern kann?
Wofür und wie wird in der Bibel (Bsp. Philemonbrief) gelobt / Anerkennung ausgedrückt?
Wie äußert man diese Wertschätzung in guter Weise? Was ist eine gute Weise? Welche Fallen sollte man vermeiden (z.B. Lob um Arbeiter zu finden)?
Wie verhindert man Fütterung von Hochmut?
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