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Ein gnädiger Gott

Perikopenreihe II  •  Sermon  •  Submitted
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Ein gnädiger Gott

Michas Hoffnung

Nein, es war keine schöne Zeit. Nein, es war gar nichts Gut im Staate Juda. Gott musste mächtige Propheten auftreten lassen. Jesaja, Amos und Hosea verkündeten den Untergang des Reiches, wenn es sich nicht zu Gott wendet. Und dann gab es noch ihn, den Propheten Michaja. Und sein Namen ist auch Omen. Denn er stellt sich die Frage: “Wer ist wie JHWH?” Und neben all seinen Urteil über die Gefahren, die für Juda bestehen kommt er zu einer Hoffnung für sein Volk und er fast am Ende seiner Reden seine Hoffnung mit folgenden Worten zusammen:
Micha 7,18–20 LU
18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! 19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.
Michaja vergleicht JHWH mit den Göttern der anderen Kulturen um ihn herum und kommt zu dem Anbetenden Ergebnis, dass kein Gott auf der Welt ist, wie JHWH. Er kommt zu dem Ergebnis, dass kein Gott so voller Liebe ist wie JHWH. Er kommt zu dem Ergebnis, dass JHWH immer wieder seinem Volk vergibt und es zu Blüte und Pracht verhilft.

Martins Suche

[Pause] “Wonach suchst du Bruder Martin?” fragte einst Johannes von Staupitz seinen Mitbruder und Beichtling Martin Luther. Dessen Antwort: “Einen gnädigen Gott!” So macht es uns der Film Luther mit Joseph Fienes weiß. Ob die Frage jemals so gefallen ist. Wer weiß.
Fakt ist aber, das Bruder Martins reformatorische Suche nach der Gnade zentral war. In einer Zeit wo Gott als strafend dargestellt wurde und die Angst vor der Hölle vor allem durch die Visionen des Ritters Tnugdali aus der Mitte des 13. Jahrhunderts in bunten Bildern den Menschen bewusst war und die Kirche mit ebenjener Angst viel Schindluder trieb.
Martin kommt zu dem Ergebnis, dass wir gar nichts tun können um Gottes Gnade zu erlangen. Gott errettet uns allein aus Gnade. Ein beliebter Satz Luthers war daher: Pecca fortiter! Sündige tapfer. Für ihn bedeutete dies nicht, dass man sich einfach wie die letzte Sau verhalten soll, sondern, dass man sich an dem Wort der Bibel orientieren soll. Aber nicht sich zermartern, dass man nicht alles erfüllen kann, aber darauf hoffen darf, dass Gottes Gnade durch Jesus Christus für die Menschen gilt.
Er hoffte wie Michaja darauf, dass Gottes Gnade größer ist, als Gottes Zorn. Er glaubte daran, dass Gott seine Schöpfung nicht fallen lässt, sondern ihr immer wieder eine Chance gibt. “Denn Gott ist ein Gott, der Bund und Treue hält und niemals loslässt das Werk seiner Hände” (Dtn 7,9).

Gnade heute

Was für eine wunderbare Botschaft. Gnade gibt Gott freigiebig und viel. Eine Botschaft, die sich in der evangelischen Kirche so breit gemacht hat, dass der Begriff manchmal fast nahezu inflationär verwendet wird. Bonhoeffer hat in seinem Buch Nachfolge deshalb schon von billiger Gnade gesprochen. Er meint damit eine Gnade, die einfach so fast ohne Bedingungen ausgesprochen wird. Er sagt vielmehr, dass es schon der Nachfolge bedarf. Für Bonhoeffer ist das die Nachfolge in den Spuren Jesu. Im Schatten des Galiläers sollen wir dann leben und wandeln. Und das ist alles andere als leicht. Das verlangt etwas von dir und mir ab. Wenn Christen die Gnade Gottes durch die Nachfolge erlangen, dann heißt das, dass jede Christin und jeder Christ zur Apostelin und zum Apostel werden soll.
Und so verlangt die Gnade von einem viel. Sie verlangt das glaubhafte Zeugnis zum Glauben. Also kein beschämtes Murmeln: ich bin Christ, sondern eine klare und gerade Haltung: Ja, ich bin Christ.
Es ist also eigentlich nicht mehr verlangt, als jede und jeder von uns eh schon machen sollte. Gerade und aufrecht durch das Leben zu gehen. Zu seinen Fehlern und Schwächen, als auch Sünden genauso zu stehen, wie man zu seinen Stärken steht.
Aber es bleibt dann noch die große und wichtige Frage: Was bedeutet Gnade für mich. Wie spüre ich Gnade? Was verändert sich durch den Gedanken an die göttliche Gnade qualititativ in meinem Leben.
Geht dafür doch einmal in euch hinein und schaut, in eurem Herzen nach, wo ihr etwas erlebt habt, was sich für euch wie Gnade anfühlt. [Moment Nachdenkpause] Ich weiß nicht, wie sich Gnade für euch anfühlt. Aber ich kann versuchen zu beschreiben, wie sich Gnade für mich anfühlt.
Für mich ist Gnade wie ein Glas Limonade an einem heißen Sommertag. Erfrischend kühl; Prickelnd und süß-säuerlich. Sie gibt mir Kraft aufzustehen und meinen Weg zu gehen. Sie ermutigt mich dazu zu meinen Fehlern zu stehen und ein glaubhaftes Zeugnis zu geben. Sie stärkt mich durch und durch.
Und diese Erfahrung ändert mein Leben Qualitativ. Denn die Erfahrung, dass Gott zu mir hält. Das Gott mir verzeiht, das hilft mir auch anderen zu verzeihen. Die Erfahrung der göttlichen Gnade weitet mein Herz zu einem großen Tor. Es wird so durchlässig für die Liebe, welche ich anderen Menschen schenken kann. Denn wenn Gott ihnen die größten Sünden vergeben kann, dann kann ich ihm auch die menschlichen Vergehen verzeihen. Denn was nützt schon der ganze Zorn, wenn ich weiß, wie gut sich Vergebung anfühlt. Was nützt Zorn, wenn ich weiß, dass dieser nichts besser macht, die Gnade Gottes aber verbindet. Die Erfahrung der göttlichen Gnade verbindet mich dann mit den Menschen.
Sie macht aber noch mehr. Sie intensiviert meine Beziehung zu Gott. Denn durch die göttliche Gnade merke und spüre ich, was für ein Gott, Gott ist. Er ist ein zugewandter Gott, der sich das Leben eines jeden Menschen anschaut. Er sieht nicht nur den schlechten Aspekt des Menschen, sondern auch die guten Aspekte die jeder Mensch in sich hat. Er sieht die Seiten, die Menschen untereinander nicht sehen. Gott ist ein Gott, der mich das auch spüren lässt, weil er seine Gnade spürbar und erfahrbar macht.
Gott ist ein Gott, der egal wie oft wir uns abwenden, sich nie endgültig von uns abwendet. Er ist ein Gott der uns immer die Hand hinhält. Er vergisst zwar nicht das was wir getan haben und tut so als wenn nie etwas gewesen wäre, aber er reitet nicht darauf herum. Er sagt vielmehr das war gestern heute ist ein neuer Tag und heute fangen wir gemeinsam neu an und gehen zusammen in die Zukunft. Gott ist ein Gott, der immer an der Beziehung zu ihm und mit ihm arbeiten will, wenn du und ich das auch wollen.
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