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Gründonnerstag 2020

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Transcript

Die Nacht der verlöschenden Lichter

Einleitung

Ich möchte Sie zu einen besonderen Gründonnerstag Abend einladen. Dafür müssen aber ein paar Vorbereitungen getroffen werden:
Bereiten Sie für heute Abend ein besonderes Essen vor. Ich empfehle für diesen Abend Kartoffeln mit grüner Sauce.
Decken Sie einen Tisch festlich.
Stellen Sie in die Mitte des Tischs eine große Kerze.
Stellen Sie um die Kerze 12 kleinere Kerzen oder Teelichter.
Warten Sie ab, bis es Abend wird!
Ziehen Sie sich auch was Gutes an. Gerade in den letzten Tagen, wo die Jogginghose Salonfähig ist, weil einen eh keiner sieht, tut es gut zu schauen, ob der gute Zwirn noch passt.
Entzünden Sie die große Kerze.
Entzünden Sie bis auf eine Kerze alle anderen Kerzen.
Stellen sie vor jeder kleinen Kerzen ein Namensschild (Siehe Anhang). Vor die Kerze die nicht brennt, stellen Sie das Namensschild Judas.
Wenn Sie nicht alleine leben, versammeln Sie alle die mit Ihnen leben um den Tisch. Stellen Sie das Festessen irgendwo auf, wo es einen Moment warm gehalten werden kann.
Lesen Sie den Andachtstext laut vor. Immer wenn in einer Klammer die Anweisung steht, dass die Kerze von XY verlöscht wird, verlöschen Sie diese.
Nach dem Verlesen des Textes halten sie einen Moment Stille und Beten dann das Gebet und sprechen das Vaterunser.
Essen sie im Kerzen Schein der Kerze die in der Mitte steht das Festessen.

Der letzte gemeinsame Abend

Als sie zum Garten Gethsemane gingen, war die Stimmung gedrückt. Diese Worte die Jesus gesprochen hatte. Sie waren so anders. Überhaupt war er schon die letzten Wochen so anders. Das erfrischende Lachen, welches er sonst so oft ertönen ließ, war verstummt. Witze und Späße, zu denen er bei aller Ernsthaftigkeit auch immer aufgelegt war, waren schon Tage bevor sie in Jerusalem ankamen nicht mehr vorgekommen. Nein, das Verhalten ihres Meisters machte Ihnen Sorgen.
Sorgen machte Ihnen auch, was sie beim Abendmahl erlebt hat. Diese Worte. Dies ist mein Leib. Dies ist mein Blut. Dieser Auftrag: Macht dies, so oft ihr meiner gedenkt. Das klang so, als wenn er bald sterben würde. Aber Jesus, der Sohn Gottes, sterben? Unmöglich! Aber was wenn doch … ? Was wenn Judas ihn verrät. Immerhin war er doch urplötzlich beim Passahmahl davongelaufen. Aber Nein, das wäre unmöglich. Judas war zwar ein Hitzkopf, aber ein Verräter war er nicht. Er war bestimmt losgelaufen um etwas für den Abend zu holen oder das Feuer an der Schlafstätte zu schüren. Bestimmt würde er gleich im Garten Gethsemane schon auf sie warten.
Schweigend kamen die Jünger im Garten Gethsemane an. Irgendwie erschien er düsterer als den Abend davor. Das war erstaunlich. Waren sie doch nicht alleine in dem Garten. Viele Pilger nutzten diese milden Frühlingstage um unter freien Himmel zu feiern, zu lieben und zu schlafen. Aber heute war es anders. Die Geräusche der Anderen erschienen Meilenweit weg. Das Dunkel der Nacht erschien noch dunkler und bedrohlicher als sonst.
Als sie angekommen war, bat Jesus, dass Petrus, Jakobus Zebedäus und Johannes Zebedäus mit ihm gehen sollten, damit sie mit ihm beteten. So machten sich die drei auf dem Weg. Die Stimmung war gedämpft bei den restlichen. Andreas tigerte immer wieder auf und ab. Er wirkte nervös. Auf einmal durchbrach er die Stille: „Was liebe Brüder, wenn er es ernst meint. Was wenn er wirklich glaubt, dass er bald verraten wird? Was wenn er umgebracht wird? Wie oft hat er die Pharisäer und Schriftgelehrten gegen sich aufgebracht? Unzählige Male! Und jetzt hier. Hier wo so viele von denen sind, die ihn umbringen wollen. Nein, mir gefällt das überhaupt nicht. Wir sollten ihn zur Vernunft bringen und fliehen. Heute Nacht noch!“ Philippus entgegnete ihn darauf: „Beruhige dich Andreas. Wie oft waren wir schon in gefährlichen Situationen. Weißt du noch, wie wir auf dem Boot waren, als der Sturm ausbrach? Er hatte die Wellen beruhigt. Wer so etwas vollbringen kann, der braucht keine Angst zu haben, das ihm hier etwas geschieht.“ „Ich, ich will auf jeden Fall nicht warten, bis etwas geschieht. Am Ende werde ich auch noch hier umgebracht. Mir ist nicht wohl. Ich gehe. Wir sehen uns morgen“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Andreas aus dem Garten Gethsemane. [Verlöschen der Kerze Andreas]
Nach dieser kurzen Aufregung wurde es wieder still. Thomas wirkte nervös, war aber ganz in sich versunken. Seit sie in Jerusalem angekommen waren, war er etwas anders. Kritischer. Er zweifelte an die Sinnigkeit dieser Reise. Aber das war halt Thomas. Zweifeln war sein naturell. Andere entspannten sich. Matthäus und Bartholomäus holten die Würfel raus und fingen an zu spielen. Philippus und Jakobus Aphäus machten es sich unter einem alten Olivenbaum bequem und dösten vor sich hin. Thaddäus und Simon Kanaanäus unterhielten sich aufgeregt darüber, ob sie sich vielleicht doch mit Waffengewalt im Fall der Fälle für das Leben Jesu einsetzen sollten. Simon Kanaanäus, der selbst eine Vergangenheit im Widerstand hatte, redete auf Simon ein, wie sinnig das doch sei und holte seinen Dolch raus. Er wies immer wieder daraufhin, dass es wenn schnell gehen müsste, da sonst das eigene Leben kein Morgengrauen mehr erleben würde.
Nach einiger Zeit kam Jesus und mit ihm Petrus, Jakobus und Johannes zurück. Jesus schimpfte reichlich mit ihnen. Sie sahen ziemlich niedergeschlagen aus. Als sie da waren fragte Thomas die drei: „Was ist passiert, dass er so aufgebracht ist? So habe ich ihn ja nur erlebt, als er im Tempel ausgerastet ist.“ „Weißt du,“ antwortete Petrus, „er bat uns, dass wir mit ihm beten sollten. Etwas abseits von ihm. Aber wir waren so müde. Das reichliche Essen, der süße Wein und so sind wir immer wieder eingeschlafen. Immer wieder hat er uns geweckt und doch haben wir ihn im Gebet verlassen indem wir einschliefen. Es schien ihm wirklich wichtig gewesen zu sein, dass wir mit ihm beten. Aber wir haben es nicht geschafft. Und jetzt sagt er, dass es so weit sei. Dass die Stunde seines Verrats begonnen hat. Ich weiß auch nicht was das heißt. Wir sollten ihn aber beschützen, ist meine Meinung.“ Als er das gesagt hatte blickte er Simon Kananäus an und dieser nickte nur, als wenn er genau Bescheid wüsste.
Auf einmal kam durch die Olivenbäume hindurch Judas Iskariot zurück. Die Anderen Jünger atmeten auf. Er hatte Sie doch nicht verraten und war zurückgekommen. Nein, er war ein Hitzkopf, aber kein Verräter. Alle freuten sich. Nur Jesus blickte ernst, als er kam und Jesus küsste. Nach dem Kuss sagte Jesus: „So verrätst du mich also!“ Betretenes Schweigen trat sofort ein. Alle blickten auf Judas. Er senkte nur den Kopf und lief weg. „Wie konntest du nur! Er hat dich geliebt!“ Schrie Jakobus ihm nach. „Wir haben keine Wahl!“ sagte Petrus, „Wir müssen Jesus sofort in Sicherheit bringen.“ „Zu spät!“ sagte Simon, der sah, dass Tempelwachen anrückten. Bartholomäus und Thaddäus, welche etwas am Rand im Schatten der Olivenbäume gedöst hatten, bekamen es mit der Angst zu tun und liefen weg. [Verlöschen der Kerzen von Thaddäus und Bartholomäus]
Sie liefen weg, noch kurz bevor der Kessel der Soldaten sich um die Jünger und Jesus schließen konnte. Als der Truppführer auf Jesus zuging um ihn festzunehmen, konnte sich Simon Kananäus nicht halten. Er zückte seinen Dolch und hieb blitzschnell einem Soldaten das Ohr ab. Doch bevor er sich dem nächsten Soldaten zuwenden konnte um diesen zu verletzen rief Jesus: „Halt ein! Keiner soll meinetwegen verletzt werden!“ und bewegte sich dabei auf das abgeschlagene Ohr zu, nahm es auf und hielt es dem verletzten Soldaten an die Stelle, wo es hingehörte. Nachdem er es sanft an die Stelle gedrückt hatte, hörte es auf zu Bluten. Als er die Hand wegnahm, war es so, als wär dem Soldaten nie etwas passiert. „Lasst diesen Mann laufen, es ist doch nichts passiert wie ihr seht!“ Bat Jesus die Soldaten. Sie ließen Simon Kananäus frei und dieser lief so schnell er konnte in das Dunkel der Nacht. [Verlöschen der Kerze von Simon Kananäus]
Die anderen Jünger kauerten sich zusammen. Sie hatten Angst. Sie fürchteten, dass Sie jetzt festgenommen und getötet würden. Doch der Truppführer wandte sich zu Jesus und sprach: „Jesus von Nazareth. Sie werden festgenommen und dem Hohen Rat geführt. Welcher über ihr Schicksal richten wird.“ Wort- und Widerstandslos ließ sich Jesus abführen und die Jünger blieben zurück. Es entstand eine hitzige Diskussion, ob sie ihm nachgehen sollten. Doch nach und nach überwog die Furcht. Und so flohen Sie nach und nach. Jakobus und Johannes Zebedäus liefen aus dem Olivenhain. [Verlöschen der Kerzen von Jakobus und Johannes] Thomas ging zitternd zu Freunden die in Jerusalem wohnten [Verlöschen der Kerze von Thomas] Kurz darauf machte sich auch Jakobus Alphäus, Philippus und Matthäus auf den Weg [Verlöschen der Kerzen Jakobus, Philippus und Matthäus]. Nur Petrus blieb zurück.
Petrus machte sich auf den Weg. Er folgte den Soldaten in einem gewissen Abstand. Immer im Halbdunkel verborgen, damit ihn keiner entdeckte. Auf dem Weg schnappte er sich einen Umhang der am Wegesrand lag. Er wollte nicht erkannt werden. Bald darauf waren Sie im Tempelbezirk. Die Tore zum Tagungsraum des Hohen Rats standen offen und Licht schimmerte heraus. Petrus ging hinein. Er wollte mitkriegen, was passierte. So mischte er sich unter die Menschenmenge. Er sah zu, wie Jesus geschlagen und gedemütigt wurde. Wie die Soldaten ihm die Augen verbanden und fragten: „Wer ist es der dich schlug?“ und dabei auf ihn eindroschen. Er beobachtete, wie Jesus all dies hinnahm. Eine Träne rollte ihm über die Wange. Da fragte eine Person neben ihn: „Bist du nicht einer von denen die mit Jesus eingezogen sind?“ Petrus verneinte vehement. Doch nach einiger Zeit fragte eine Andere die dicht neben ihm stand: „Ich kenne dich doch. Bist du nicht neben Jesus eingezogen?“ „Du musst dich irren. Ich war nie mit diesen Leuten unterwegs.“ Entgegnete erschrocken Petrus. Er beschloss, dass es vielleicht klüger wäre, etwas vor den Toren zu warten und von dort aus die Ereignisse zu beobachten.
Doch auch hier konnte er nicht lange die Ereignisse beobachten. Schon nach einer Weile, als er sich an einem Feuer die Hände wärmte kam eine Frau auf ihn zu. Sie beobachtete ihn lange und eindringlich. Ihm wurde das unangenehm und er blaffte sie an: „Was schaust du Weib?“ Sie guckte ihn im Gegenzug weiter an und sagte: „Ich kenne dich! Du warst mit dem, den sie da verhören. Bist du nicht der, den sie Petrus nennen!“ Erschrocken wehrte sich Petrus und entgegnete: „Ich kenne diesen Mann da drinnen nicht. Ich wurde nur vom Licht angelockt.“ Da krähte der Hahn und Petrus erschrak, den er erinnerte sich, dass Jesus ihm am Abend zuvor gesagt hatte, dass er noch ehe der Hahn kräht er Jesus dreimal verraten würde. Beschämt und mit Tränen in den Augen rannte Petrus davon und ließ Jesus alleine zurück. [Verlöschen der Kerze Petrus]
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