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Unbenannt Predigt (4)

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Notes & Transcripts

Entscheidungen und ihre Ratgeber

Entscheidungen werden nie unabhängig von der Situation und der persönlichen Verfassung getroffen - wer sich dessen bewusst ist, gewinnt innere Freiheit

Es ist entscheidend wichtig, wie die Voraussetzungen für eine Entscheidung sind. So geht es nicht nur um die Ratgeber, sondern auch um die Umstände, in denen eine Entscheidung getroffen wird. Was spielt da hinein? Ob ich Zeit habe, ausgeruht und ausgeglichen bin, gesund bin, ob ich nur für mich Verantwortung trage oder unter sozialem Druck stehe, ob ich unter dem Einfluss von Stress, Müdigkeit, Alkohol, Prestige, Ansehen entscheide. Das kann aus uns einen anderen Menschen machen, uns zu - im Nachhinein - unsinnigen Entscheidungen führen, die irgendwie gar nicht wirklich gewollt wurden. Wem das nicht bewusst ist, der wird in die Falle tappen und es beginnt eine eigenartige Verselbstständigung in unseren Köpfen, die dazu führt, unweise zu Entscheiden und wir wissen, jedem Entscheid folgt eine Aussage, eine Tat, eine Veränderung des z.B. Familienklimas, unseres eigenen Gemütszustandes, unserer Geschichte oder sogar eine Veränderung in der Existenz eines ganzen Volkes. All das erkennen wir in dieser Geschichte.Zum Vornherein aus meinem eigenen Leben eine Erfahrung, wie sie mir während der Vorbereitung eingefallen ist. Beim letzten gemeinsamen Picknick in der Gemeinde assen ein paar Familien, unter anderen auch wir, gemeinsam Mittagessen. Im Auto auf der Rückfahrt nach Hause kam es dazu, dass sich meine innere Mischung zwischen Enttäuschung, bedrohtem Ehrgefühl, dem sozialen Empfinden, so kein Vorbild zu sein, in nach aussen gekehrtem Frust ihren Ausgang fand. Wie entstand dies? Im darüber Nachdenken und nach ein paar Gesprächen habe ich gemerkt wie dieser Frust entstanden ist. Meine inneren Bilder, meine persönliche Verfassung und die Situation hat in mir einen Selbstläufer gestartet. Die Bewegung in mir ist schnell beschrieben: Ich bin unter Druck, meine Vorbereitungen haben persönliche Substanz gebraucht, Predigt und Gottesdienst haben mich ebenfalls Kraft gekostet, bin erschöpft und bräuchte eigentlich ein wenig Ruhe, stattdessen liegt ein schreiendes Kind unter dem Tisch, das zufällig mein Kind ist und ich bin Pastor, ich muss Vorbild sein, meine Kinder müssen gehorchen, auf diesem Hintergrund habe ich Blicke und Aussagen völlig falsch interpretiert und plötzlich war alles irgendwie Spannungsgeladen. Nur zu meinem Schutz. Kommt jetzt bitte im Anschluss nicht zu mir und sagt: Das musst du nicht, bist auch als Pastor nur ein Mensch. Ja, weiss ich. Aber trotzdem - es ist eine Floskel. Ich trage Verantwortung und gerade weil ich wie jeder andere ein Mensch bin, hat mein Amt Einfluss auf mich. Manchmal kann ich es gut Gott übergeben und manchmal kommt es mir zu nahe. Das ist so ein geist-, seele-, körper- Ding, das sich bewegt. Mal in die eine und mal in die andere Richtung. Es kann nicht einfach durch flache Bemerkungen behoben werden. Am meisten lerne ich an eben beschriebenen Situationen an denen Gott mit mir substanziell arbeitet. Das finde ich zwar anstrengend, aber grundsätzlich gut.Also, das Bewusstsein der Umstände ist massgebend wichtig für Entscheidungen. Und genau so spricht Gott durch die Geschichte mit Xerxes in unser Leben.

Die ungeeigneten Ratgeber von Xerxes

Wenn ihr dieses Ereignis, dieses Fest von Xerxes reflektiert, das eigentlich ganz gut begonnen aber mit ziemlich negativ geendet hat…was sind die Umstände von Xerxes? Wir werden diese beispielhaft betrachten. Ihr selbst lebt in eigenen Umständen. Es soll euch helfen, bewusster darauf zu achten, wann ihr Entscheidungen trefft und was eure Beweggründe sind.

Die ungeeigneten Ratgeber von Xerxes: 1. Alkohol und andere Einflüsse auf den Körper

So wie es steht, hatte der König und seine Fürsten massenhaft Wein intus. Gegen die Regelung, dass normalerweise ein Gast nicht mehr trinken durfte, als der König, steht hier ausschliesslich, dass jeder trinken durfte, so viel er wollte - also ohne Einschränkung. Der Alkohol führte dazu, dass das Gehirn von Xerxes nicht mehr fähig war, weise zu entscheiden. So kam es zu einer dummen Entscheidung.Ähnliches steht in : König Belsazar unter Weineinfluss - Missbrauch der goldenen und silbernen Gefässe aus dem Tempel. Als ihr Herz fröhlich war: "Ruft Simson herbei, er soll für uns Spässe machen." Und beschreibt Alkohol selbst als Spötter und Betrunkene als unweise.Aber nicht nur Alkohol kann Entscheidungen ungut beeinflussen, weil dadurch unsere Wahrnehmung beeinflusst wird und wir plötzlich Dinge doppelt sehen. Auch Schlaflosigkeit, Überforderung, Tabletten, Krankheiten, usw. können Entscheidungen ungut beeinflussen. Das Problem aller Einflüsse auf den Körper ist, dass unsere Wahrnehmung dadurch beeinflusst wird. Jemand der gerade in einer Depression lebt, z.B. sollte keine existenziellen Entscheidungen treffen. Es sei denn, jemand begleitet die Person und hilft bei der Prüfung und Durchsetzung des Anliegens.Grundsätzlich sollten wir darauf achten, was uns wie stark beeinflusst, sonst könnte es sein, dass wir die Entscheidung im Nachhinein bereuen.

Die ungeeigneten Ratgeber von Xerxes: 2. Lust

Aus dem Alkohol und der Festfreude entstand Lust. Lust ist ein super Ratgeber für Entscheidungen. Ich entscheide mich für alles Mögliche aus der Lust heraus. Lust kennt viele Namen: Ich brauche das jetzt, ich habe das Bedürfnis, es gefällt mir so und aufgrund dessen greife ich danach oder verlange ich danach. Lust ist eine abgeschwächte Form der Begierde. Ob Lust oder auch Begierde zu guten oder schlechten Entscheidungen führt, hängt von vielem ab. Vieles muss berücksichtigt werden. Dient es Gott, dient es der Gemeinde, dient es mir selbst, dient es meiner Seele, Körper, Geist, dient es einer guten oder schlechten Entwicklung der Gesellschaft, dient es der Familie. Nur aus Lust zu entscheiden entspricht evaischem Verhalten. Sie hatte auch Lust. Nur diente sie damit dem Teufel. Lust kann aber auch Gott dienen, wenn das, was sie in Bewegung versetzt seinen Willen entstehen lässt in der Welt.Hätte Xerxes nicht einfach seine Lust und die Lust seiner ausschliesslich männlichen Gäste, durch die Zurschaustellung von Wasti vor Augen gehabt, hätte er vielleicht gemerkt, dass seine Lust Wasti in eine sehr unangenehme Situation bringt. Sie gab nämlich den Frauen des Landes ein Fest in einem anderen Haus des Königs. Der Befehl vom berauschten König Xerxes bedeutete nun, dass Wasti als Gastgeberin ihre Gäste und ihr Fest verlassen sollte, damit sich der König, der nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand, belustigen konnte. Die in der orientalischen Gesellschaft übliche Trennung der Geschlechter könnte auch der Grund gewesen sein, dass sich Wasti nicht vor einem Haufen betrunkener Männer zur Schau stellen wollte. Ein dummer und lächerlicher Entscheid des Königs. Die Forderung vom König war unüberlegt, dennoch war die Verweigerung, dem König zu gehorchen ein ernst zu nehmender Bruch des Hof-Etiketts. Denn es war immer noch die Forderung des Königs, dem jeder verpflichtet war zu gehorchen.

Die ungeeigneten Ratgeber von Xerxes: 3. Sozialer Druck

Alle Männer haben gesehen und gehört, dass er befahl, das Wasti kommen soll. Zudem steht er als grosser Gastgeber und selbstherrlicher Herrscher im Mittelpunkt und kommt nicht mehr aus seiner Rolle heraus. Das wird ihm zum Verhängnis.Sozialer Druck ist nicht zu verwechseln mit sozialer Verantwortung. Wir sollen uns nur vom Druck befreien, nicht von der Verantwortung. Die gibt es und der Blick auf die Menschen, für die man Verantwortung trägt, gehört in eine Entscheidungsfindung hinein. Aber der Fokus liegt nicht auf den Ansprüchen von Menschen und erst recht nicht auf ihren sündigen Begierden wie Stolz, Eigensucht, Ansehen, Macht oder Gier, wie sie bei den Fürsten und bei uns manchmal sind. Der Fokus soll auf dem Wohlwollen Gottes für die Menschheit liegen, die auf Rettung und Heilung aus ist. Wenn wir entscheiden, muss es unser Ziel sein: Die Entscheidung ehrt nicht das Geschöpf, sondern den Schöpfer. Dann ist sie gut eingebetet. Damit das möglich ist, braucht es eine Loslösung vom sozialen Druck und die gelingt am Besten im Bewusstsein, wem gegenüber wir zuerst verantwortlich sind. Das stellt selbstverständlich auch unsere Sicht auf uns selber ins rechte Licht. Wir können genauso stolz und selbstbezogen sein. Auch davon braucht es Freiheit und die finden wir nur in der Gegenwart Gottes. Praktisch in einem inneren, stillen Gebet, wenn möglich in einem “privaten” Raum - kann auch ein Spaziergang sein, wenn nicht möglich, dann ein inneres Reden mit Gott mitten im Geschehen und wenn wir da nicht weiter kommen, dann durch klare Kommunikation: Ich treffe jetzt keine Entscheidung, wenn ich sie nicht vorher mit Gott besprechen kann. Erst recht nicht, wenn der Druck erhöht wird.

Die ungeeigneten Ratgeber von Xerxes: 4. Eigene Angst und aus Angst handelnde Mitmenschen

Hier bei Xerxes steht von der Einflussnahme von Menschen, die Angst haben, etwas zu verlieren und das ist ein gewichtiger Punkt: All die Fürsten hatten Angst, dass sich ihre Frauen weigern würden, sie zu ehren, weil Wasti sich ebenfalls weigerte. Das Hauptproblem bei der Sache ist, dass die Fürsten die Angst vor Verlust zum allgemein gültigen Massstab für alle Männer erhoben haben. Sie haben nicht gesagt: Die Königin ehrt dich nicht mehr. Noch heute werden die Fürstinnen von Persien und Medien ihre Männer nicht mehr ehren, nein schlimmer noch,…jeder Mann in seinem Hause wird nicht mehr geehrt werden. Eine einzelne Erfahrung wird hochstilisiert zur allgemein gültigen Tatsache und nun schwebt die Entscheidung unter dieser Decke des Grauens, die durch die Zeitangabe auch noch verstärkt wird: Heute noch…kannst grad zusehen, wie die Welt vor die Hunde geht, wenn du nicht grad sofort eingreifst. Die Angst von Mitmenschen kann man verstehen. Dann muss man aber abwägen, ob die Angst des Mitmenschen das eigene Leben so stark beeinflussen darf. Auch hier wieder: Wem dienst am Ende die Entscheidung? Dem Menschen oder dem Schöpfer. Wenn Angst ins Spiel kommt werden Entscheidungen komplett blockiert. Wie soll man da zu einer schlauen Entscheidung kommen? Angst hat Kraft und Angst bildet einen grundsätzlichen Widerstand ein Bollwerk. Angst stellt sich mit ungeahnter Kraft und Energie gegen deine Entscheidung, wenn es sein muss und ist das Argument, das nicht zu toppen ist. Deshalb funktioniert sie so gut - die Angst. Erklärt der andere seine Angst zum Massstab für deine Entscheidung, kriegst nämlich auch du Angst und zwar vor seiner negativen Kraft, die dann auf dich Einfluss nimmt. Aber weisst du was? Es ist trotzdem immer noch deine Entscheidung und die muss es auch bleiben. Die Angst von anderen darf dich nicht festbinden. Sonst bist du ihr Diener. Xerxes hat mit seinem Entscheid eindeutig der Angst vor Verlust gedient.Unabhängig von Menschen, die aus der Angst heraus beraten, ist Angst in den meisten Fällen grundsätzlich ein schlechter Ratgeber. In die ganze Sparte der Entscheidungen gehört auch die Menschenfurcht. Angst lähmt. Christen dürfen sich überwinden und sich nach Gott richten.

Die ungeeigneten Ratgeber von Xerxes: 5. Eine Entscheidung ohne direktes Gespräch

Ein direktes Gespräch kam nicht zustande - war aber auch nicht üblich. Der König brauchte kein direktes Gespräch. Damit würde ich der damaligen Kultur nicht entsprechen. Aber heute ist das mein Tipp. Suche das persönliche Gespräch - in schwierigen Situationen erst recht.

Gottes Gnade steht über unserer Fehleranfälligkeit, was Entscheidungen anbelangt

In Esther 1 lesen wir, wie es innerlich um die Weltherrscher steht. Was äusserlich so mächtig erscheint, ist innerlich unbeherrscht, beeinflussbar, wankelmütig und ebenso auf Gottes Gnade angewiesen wie jeder andere Mensch. Auf mich hat das einen beruhigenden Einfluss. Auch als Christ bin und bleibe ich Mensch. Ich scheine oft Leistungsfähig, meine Frau beschreibt mich als stabil und neigt liebevoll dazu, in mir mehr zu sehen an Selbstkontrolle und der Fähigkeit meinen Willen zu lenken, als manchmal da ist. Was Menschen halt so denken... Auch ich erlebe all das Beschriebene, innere Unruhe, Wankelmütigkeit, den Kampf zwischen Machbarkeit und schlichter Ratlosigkeit, usw. Ich stehe öfter mit Fragen als mit Antworten vor dem Weg, den Gott mit mir geht. Deshalb ist dieser letzte Punkt der Gnade Gottes dermassen wichtig. Ich kann zu Entscheidungen kommen, die nicht in der Stille mit Gott gefällt wurden - selbst wenn ich mit Gott entscheiden möchte, ich kann zu Aussagen kommen, die Gott anders wählen würde, einfach gesagt…ich lebe im Versagen von der Gnade Gottes, die mir mein Versagen aufzeigt, mich zur Veränderung anleitet und begleitet und dennoch mit mir Geschichte schreibt. Das ist mein Gott.Zum mitnehmen: Suche dir deine Ratgeber sehr gezielt aus. Nicht wie Trump. Der sucht nur Leute, die seiner Meinung sind. Suche Menschen, die weise sind, die vielleicht anders denken als du, die es aber aushalten, wenn du deine eigene Meinung entwickelst. Suche Menschen, die gesund sind im Sinne, dass ihre Wahrnehmung relativ ausgeglichen ist, Menschen die selbst nicht auf dem Lustprinzip basierend Entscheidungen treffen, sondern auch die Menschen sieht, mit denen du lebst. Suche Menschen, die soziale Verantwortung wahrnehmen, dich aber beraten, ohne sozialen Druck aufzubauen oder dich zu vergleichen. Weiche Ratgebern aus, die dir mit ihrer Angst eine Entscheidung verunmöglichen und dir den Blick auf Gottes Willen erschweren, denn ihre Angst muss nicht Gottes Wille sein. Höre aber gut auf Hinweise von Menschen, die erkennen, was dich von Gott wegführen könnte. Zuguterletzt: Suche die Stille und Entscheide im Gespräch und der Verantwortung vor Gott.
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