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The Sky is the Limit

The Tower  •  Sermon  •  Submitted
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Tieferes Verständnis von der Turmbau-"Geschichte"

Notes & Transcripts

Rückblick

Liebe Gemeinde,
letzte Woche haben wir uns eingehender mit der Völkertafel beschäftigt. Wir haben gesehen, dass
die Berichte der Bibel verlässlich sind und somit auch durch die Wissenschaft untermauert werden
in der Bibel noch sehr viele ungehobene Schätze liegen.

Einführung

Heute wollen wir uns mit einem kurzen Ausschnitt aus dieser Völkertafel beschäftigen. Die Geschichte ist uns allen als Turmbau zu Babel bekannt.
Lasst uns lesen:
Grob zusammengefasst wollen die Menschen einen Turm bauen, der bis an den Himmel reicht. Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Bedeutung dieser Geschichte – über deren Hintergrund.
Eine These sagt, die Menschen wollten sich selbst einen Weg zurück in den Himmel erarbeiten und sich von Gott emanzipieren. Aber ihr Handeln bewirkt genau das, wovor sich die Menschen fürchten: zerstreut zu werden.
Eine andere Theorie besagt, dass hinter dem Bauvorhaben auch die Befürchtung der Menschen steht, dass Gott sich doch nicht an seinen Bund halten würde, den er mit Noah geschlossen hat und die Erde früher oder später wieder überfluten würde. Dann hätten die Menschen einen Rückzugsort – ihre selbstgeschaffene Arche.
Es mag sein, dass diese Aspekte durchaus wichtig in der Geschichte sind. Aber dennoch ergründen sie meiner Meinung nach nicht den wahren Charakter der Episode und verpassen das große Ganze.

Fragen an den Text

Wenn man sich die Verse etwas mehr zu Gemüte führt, ergeben sich einige Fragen, deren Antworten nicht so offensichtlich sind:
<Folie 2 – Fragen an den Text>
1. Warum wollen die Menschen einen Turm und eine Stadt bauen?
2. Warum ist Gott mit dem Bau nicht einverstanden? Das Türmchen war ja gerade mal 200m hoch - kein Vergleich zu den Türmen heute.
3. Warum will Gott unbedingt, dass die Menschen sich zerteilen?
4. Warum wollen sich die Menschen einen Namen machen? Warum denken sie, dass sie nicht zerstreut werden, wenn sie einen Namen haben?
<Folie 3 – Fragen an den Text>
5. Warum ist Gott herabgestiegen, wo Er doch von seinem Thron aus in das Herz eines jeden Menschen blicken kann?
5. Wie passt diese Geschichte in den Kontext des Buches Genesis bzw. in den Kontext der ganzen Bibel (nämlich der Erlösung der Menschen)?
6. Wie passt diese Geschichte in den Kontext des Buches Genesis bzw. in den Kontext der ganzen Bibel (nämlich der Erlösung der Menschen)?
Wir werden mit Sicherheit nicht alle Fragen in dieser Predigt beantworten können. Aber ich hoffe, dass wir am Ende ein besseres Detailverständnis haben und anfangen, das große Bild hinter der Geschichte zu erahnen.

Der geistige Zustand der Menschen

Einleitung

Wenn Gott in der Bibel etwas tut, dann immer im Hinblick auf den Menschen. Der Mensch steht im Mittelpunkt des Interesses Gottes. Es geht in der Bibel um den Fall und um die Erlösung der Menschen durch Gott – um nichts Anderes. Und so zeigt in dieser Geschichte zum einen das Problem der Menschen auf und zum anderen, was Gott dagegen zu tun gedenkt.
Schauen wir uns zunächst einmal an, was die Bibel über den geistigen Zustand des Menschen sagt. Dazu liefert der Text uns an verschiedenen Stellen Hinweise - und ich möchte hier nur zwei wesentliche Aspekte herausgreifen.

V1 - Macht

<Folie 4 - V1 – alle Menschen einer Sprache>
Der erste Vers in ist nicht nur eine kurze Einleitung für die nachfolgende Begebenheit, sondern liefert uns die Grundlage für das rechte Verständnis für das nachfolgende Handeln Gottes. Wenn man diesen Vers überliest, gehen 50% der Geschichte an einem vorbei.
Liest man den Vers z.B. in der Übersetzung Martin Luthers aus dem Jahre 1984 scheint alles sehr eindeutig: alle Menschen haben einfach die selbe Sprache gehabt. Schaut man sich dann aber die Übersetzung Eugen Schlachters an, kommen da ein paar Fragezeichen: Was ist mit “denselben Worten” gemeint?
<Folie Gen 11:1>
Viele von euch werden wissen, dass die älteste Übersetzung des alten Testaments ins griechische geschah. Und diese Übersetzung hat auch einen speziellen Namen: Septuaginta. Ich finde es persönlich spannend auch die Septuaginta zu befragen. Und diese liefert hier ein paar interessante Details. Schauen wir uns den Vers im Detail an:
<Folie>: alle Menschen sind betroffen - keine Ausnahme
<Folie>: alle Menschen haben eine einheitliche Sprache
<Folie>: eine Stimme/Mensch hat angefangen, für alle anderen zu sprechen. Hinweis, dass es hier zur Ausbildung erster Machtstrukturen kam -> Nimrod wird dort namentlich erwähnt, dass er als erster Mensch Macht auf Erden gewann
Somit hatte die gesamte Population der Erde nicht nur eine gemeinsame Sprache (siehe Objekt 1), sondern auch einen Menschen, der für alle sprach (siehe Objekt 2). Dies lässt darauf schließen, dass hier ein idealer Nährboden für diktatorische Herrschaftsstrukturen bestand. Und dies sollte nun mit dem Bau einer Stadt weiter zementiert werden. Denn nirgendwo lassen sich Menschen leichter kontrollieren als in Städten, wo sie auf engstem Raum zusammenleben. Die Menschheit war auf dem besten Weg in eine Diktatur bzw. artverwandte Herrschaftstruktur. Das ist aus dem oberflächlichen Lesen der Geschichte nicht unmittelbar ersichtlich. Aber wer möchte, kann nach der Predigt gern auf mich zukommen, um diesen Punkt zu beleuchten.
Gott möchte, dass der Mensch frei ist:
Lesen
Der Bau einer Stadt hätte die Ausübung von Macht noch weiter begünstigt. Alle Menschen werden kontrollierbar. Wenn die Menschen eher weiter voneinander entfernt wohnen, war es zumindest damals schwerer alle unter eine zentrale Gewalt zu stellen.

V2 - Gott den Rücken zukehren

Die Menschheit war auf dem besten Weg in eine Diktatur. Das ist aus dem oberflächlichen Lesen der Geschichte nicht unmittelbar ersichtlich. Aber wer möchte, kann nach der Predigt gern auf mich zukommen, um diesen Punkt zu beleuchten.
<Folie 8 - V2 – zogen von Osten weg>
Die deutschen Bibelübersetzungen unterscheiden sich an dieser Stelle. Die einen übersetzen “von Osten” und die anderen “nach Osten”. Was stimmt denn nun - „von Osten weg“ oder „nach Osten“?
<Folie - Karte>
Schaut man sich das ganze auf einer Karte an, wird man zu dem Schluss kommen, dass beide Himmelsrichtungen nicht stimmen können. Die Menschen sind weder von Osten noch nach Osten gezogen, sondern nach Süden. Wohin genau, ist eine andere Frage. Auf jeden Fall ist mal sicher, dass der Turm zu Babel nicht südlich von Bagdad war, da diese ganze Gegend damals noch 30m unter Wasser lag. Aber das nur am Rande ...
Was ist sonst mit dieser Himmelsrichtung gemeint?
An vielen Bibelstellen steht die Himmelsrichtung Osten für die Ankunft bzw. Wiederkunft Gottes. ist dafür ein eindrückliches Beispiel. Ein anderes Beispiel ist der Salomonische Tempel, dessen Eingang nach Osten hin ausgerichtet war. So ist Moses Bemerkung, dass sie vom Osten wegzogen ein versteckter Hinweis darauf, dass die Menschen Gott den Rücken zugekehrt haben. Der Bund, welchen Gott mit Noah aufgerichtet hat, war ganz schnell vergessen

Zusammenfassung geistiger Zustand der Menschen

<Folie - Zusammenfassung geistiger Zustand der Menschen>
Fassen wir noch einmal zusammen:
Lesen
bei der wachsenden Bevölkerungszahl haben sich Machtstrukturen herausgebildet, die der Freiheit des Menschen entgegenstanden. Nimrod wollte versuchen, die Macht durch den Bau einer Stadt zu zementieren. Denn wenn alle Menschen zusammengehalten werden, lassen sie sich besser kontrollieren und steuern.
Der Bau einer Stadt hätte die Ausübung von Macht noch weiter begünstigt. Alle Menschen werden kontrollierbar. Wenn die Menschen eher weiter voneinander entfernt wohnen, war es zumindest damals schwerer alle unter eine zentrale Gewalt zu stellen.
nicht nur, dass sich Machtstrukturen auszubilden drohten, sondern die Menschen kehrten auch Gott geistlich den Rücken. Dies steckt hinter der Redewendung: sie zogen von Osten weg.
Es gibt in dieser Geschichte noch viele weitere Details, die den eben beschriebenen geistigen Zustand der Menschen nur weiter untermauern würden.
Man kann also sagen, dass die Menschheit so kurz nach der Sintflut, mit der Gott die Erde eigentlich gesäubert hat, wieder geradewegs auf den Abgrund zusteuerte. Für mich ist es ein Wunder, dass Gott selbst in dieser Situation nicht endlich der Kragen geplatzt ist und Er mit den Menschen radikal aufgeräumt hat. Aber Gott hat wohl noch einen Funken Hoffnung gehabt, selbst wenn dieser Funke sich später in dem einen Menschen Abraham und später Jesus bündeln würde.

Gottes Lösung

<Folie - Gottes Lösung>
So war die einzige Möglichkeit Gottes, diesen Virus des Abfalls aufzuhalten, ein Trennen der Menschen. Am Ende der Geschichte treibt Gott die Menschen in die Diaspora (die Verstreuung).
Dieses Mittel der Diaspora hat Gott im weiteren Verlauf der Geschichte noch oft angewandt:
Abraham hat er sogar aus seinem Vaterhaus herausgelöst
Die Israeliten hat er aus Ägypten herausgelöst (wo sie interessanterweise auch Ziegel herstellen mussten)
Die Israeliten hat er unter andere Völker verteilt als Israel abgefallen ist
Gott hat die katholische Kirche durch die Reformation gespalten
Aber Gott ist nicht nur ein Gott der Trennung. Dieses Verstreuen der Menschen ist nur der erste Schritt auf dem langen Weg, den Menschen wieder zurück zu Gott zu bringen (siehe Abraham).
Das Ende dieses Weges, quasi das Gegenstück zum Turm- und Städtebau, findet sich im NT.
lesen / 37-40
<Folie 15 – Gottes Lösung>
Gott tut hinzu. Aus wildfremden Menschen werden Brüder. Und das ist es doch, was eine Ekklesia ausmacht. So sollten wir uns nicht schämen uns Kirche zu nennen, eine Gruppe von Menschen, die Gott zusammengeführt hat.
Lasst uns noch einmal kurz zusammenfassen, was wir in der Predigt gehört haben:
Die Menschen haben knapp 100 Jahre nach der Sintflut wieder einen geistigen Tiefpunkt erreicht.
Gott greift ein, um schlimmeres für die Menschen zu verhindern.
Mit der Versprengung der Menschen setzt Gott den ersten Schritt, um sie hoffentlich später wieder in sich vereinigen zu können.
Ich hoffe, dass ihr diese Geschichte vom Turmbau nicht mehr als isolierte Begebenheit in der Bibel seht, sondern eher als Prototypen für Gottes Handeln in der Zukunft. Und ich hoffe, dass ihr jetzt, wenn ihr die Geschichte euren Kindern oder Enkeln nahebringen wollt, nicht mehr auf ihrem Niveau erzählen müsst.
Amen.
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