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Auslegung Joh. 17,17

Passionsandachten 2018  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
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Welche Bedeutung haben diese 10 Worte? Was können wir durch dieses Gebet Jesu lernen? Wozu fordern sie uns heraus?

Notes & Transcripts
Johannes 17,17 LUT84
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.
Hintergrund: in Johannes 17 bietet Jesu das Hohepriesterliche Gebet. Die Jünger mögen eins sein, mögen in der Welt leben (und strahlen) und sich doch von den Wegen der Welt abgrenzen.

Geschichtlicher Hintergrund

Unzählige Male im Laufe eines Tages wurde Gott von den Israeliten dafür gepriesen, daß er sie durch seine Gebote geheiligt habe. Sooft ein Israelit sich anschickte, ein Gebot zu erfüllen, hob er einen Lobspruch mit den Worten an: „Gepriesen seist du, Jahve unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat durch seine Gebote“ אֲשֶׁר קִדְּשָׁנוּ בְמִצְוֹתָיו. Darauf folgte dann die Nennung des Gebotes, um das es sich gerade handelte, zB: Der uns geheiligt hat durch seine Gebote u. uns geboten, in der Laubhütte zu wohnen Sukka 46a; u. uns geboten hat, einen Feststrauß zu machen pSukka 3, 53d, 5; u. uns Befehl gegeben hat betreffs des Nehmens des Feststraußes pSukka 3, 53d, 6; u. uns die Beschneidung befohlen hat Men 42a; u. uns befohlen hat, ihn (einen Sohn) in den Bund unsres Vaters Abraham (durch die Beschneidung) einzuführen Schab 137b; u. uns geboten hat, die Gebetsriemen anzulegen,

Jesus bezieht sich also auf ein bekanntes Konzept; deutet es aber zugleich um. Nicht das Folgen der Gebote heiligt, sondern Sein Wort.
Das müssen wir uns mal auf der Zunge zergehen lassen:
Gepriesen seist du, Jahwe unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat durch das Wort seines Sohnes Jesu Christi. Der zu uns sprach, wir sollen in der Wahrheit bleiben.

Das Gebet

Jesus betete:
Johannes 17,17 LUT84
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.

Wort für Wort

Schauen wir uns die Bedeutungen der einzelnen Worte an.

Heilige

Dies ist ein Indikativ. Jesus ruft zu seinem Vater, er möge etwas tun. Er möge Heiligen. Aber nicht nur irgendwie, sondern ganz konkret. Und auch nicht ewig lange, nicht Prozess Haft, sondern ein für alle Mal und das auf den Punkt gebracht. – Das erfahren wir, wenn wir die griechische Verbform ganz genau anschauen.
Was aber bedeutet das? Gott möge Heiligen... Das verwendete Wort beschreibt die Absonderung. Jesus ruft seinen Vater auf, Menschen für sich selber abzusondern. Oder in anderen Worten: als etwas Besonderes von anderen zu unterscheiden.

Sie

Wer sind Sie? – Sie sind zunächst seine Jünger. Die, die vielleicht in Rufweite weg sind, auf die er – würde er sich ihnen zuwenden – zu seiner Rechten in der Ebene sieht. Die zwölf.
Aber nicht nur sie. Jesus betet im Hohepriesterlichen Gebet:
Johannes 17,20a LUT84
Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden,
Du und ich – auch wir sind gemeint.

In der Wahrheit

„Was ist Wahrheit?“ fragte Pilatus. – Dabei ist die Frage gar nicht so schwierig zu beantworten.
Spätestens, wenn wir im Straßenverkehr einen Unfall haben, wenn jemand anderes über eine rote Ampel fährt und mein Fahrzeug beschädigt, sind wir davon überzeugt, dass es nicht mehrere Wahrheiten geben kann. Dies ist der Moment, in dem man eine absolute Wahrheit verfechtet.
Die Wahrheit ist das wahrhaftige und hat etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Es ist die wahrhaftige Beschreibung der Wirklichkeit. Sie ist objektiv.
Meine Beschreibung der Wirklichkeit mag subjektiv sein. Meine Wahrnehmung mag auch durch den Filter meiner Lebenserfahrungen das Licht der Wahrheit brechen. Aber die Wahrheit an sich ist objektiv. Und ob ich sie von links oder von rechts betrachte, mein Blick auf sie verändert sich, jene Wahrheit verändert sich aber nicht.
Der Blickwinkel, mit dem ich auf den Unfall schaue, erhellt vielleicht, wie es dazu kam. Ein bestimmter Blickwinkel auf jenes Geschehen verdunkelt vielleicht jene Ursache. Aber die Wahrheit an sich ist unveränderbar, indiskutabel, wahrhaftig und wirklich.
Und jene Wahrheit ist:

Dein Wort

Gemeint ist der Logos. Die Rede Gottes. Die Aussage, der Bericht, die Kunde, die Nachricht. Der Gegenstand Gottes. Die Sache Gottes. Die Geschichte Gottes.
Gemeint ist das gesprochene Wort, welches sich in so vielfältiger Art und Weise ausdrückt. Und derjenige, der sich hinter jenem Wort verbirgt. Denn das Wort hat einen Ursprung. Und jener Ursprung ist mit eingeschlossen.

Die Bedeutung

Johannes 17,17 LUT84
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.
Ich finde es Interessant, dieses Gebet. Denn vorher bete Jesus:
Johannes 17,6b LUT84
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
Sie haben jedes Wort bewahrt. Sie schätzten es, ihnen war es wichtig. Es war bei Ihnen.– Die Wahrheit war bei Ihnen. Die Wahrheit war in Ihnen. Sie kannten die Wahrheit.
Und auch bei uns ist es ähnlich. Haben nicht wir, seine Kirche, sein Wort bewahrt? Wir schätzen es (sollten wir zumindest). Uns ist es wichtig. Seine Worte – aufgeschrieben und vervielfältigt – liegen auf einem jeden Altar einer jeden Kirche. Sind in den Büro eines jeden Priesters, Pfarrers, Pastors. Viele haben – zumindest äußerlich – seine Worte im Rahmen einer Familienbibel bewahrt. Die an jenem besonderen Ort liegt. – Die Wahrheit ist bei uns. Sie ist uns so in gewisser Weise “verfügbar”.
Und dann betet Jesus:
Johannes 17,17 LUT84
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.

Die Jünger waren in der Wahrheit; denn da sie das von Christo ihnen gegebene Wort Gottes gläubig angenommen und bewahrt hatten (V. 6. 12.), so war die göttliche Wahrheit, deren Ausdruck jenes Wort ist, das Lebenselement, in welchem sie, der Welt entnommen und Christo gegeben, sich befanden. Jetzt bittet er, Gott wolle sie nicht blos bewahren (das hat er vorher gebeten), sondern mehr noch: er wolle sie mit heiliger Weihe versehen

Er sollte sie absondern. Eine Herde schaffen. Für sich selber abzusondern. – Und das nicht in einem ewig andauernden Prozess, sondern endgültig, punktuell. Es soll geschehen. Es ist genau diese abgeschlossene Zeitform, ein punktuelles Ereignis gemeint.
Und doch merken wir, dass es in unserem Leben meist nicht so eine punktuelle abgeschlossene Sache ist. Wir befinden uns in einem Prozess des Werdens. Heiligung ist nie abgeschlossen. Dinge passieren, Menschen sterben, uns widerfährt Unglück … Wir sind herausgefordert damit umzugehen.
Jene, die zu ihm gehören, sind in der Perspektive der Ewigkeit einmal punktuell geheiligt – in aller Wahrheit und Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit.
Aus der Perspektive innerhalb der Zeit – unsere Perspektive – sind wir noch nicht da. Zumindest noch nicht ganz. Vielleicht fühlt sich das wie ein Spagat an.

Die Lösung: Unsere Antwort

Was ist also die Lösung? Wie können wir mit dieser Spannung umgehen? Wie können wir auf jenes Wort Gottes antworten?
Wir dürfen uns herausfordern lassen, auf dieses Wort Gottes zu schauen. Wir dürfen uns von jenem Wort Gottes anschauen lassen, uns im Spiegel vom Wort Gottes betrachten. Von jenem Wort dürfen wir uns herausfordern lassen, nicht so zu bleiben, wie wir sind.

„Heilige sie durch die Wahrheit“; denn die Wahrheit bewirkt Absonderung dadurch, daß sie gegen sündige Ansteckung immun macht.

Und am Ende bleibt: jener Christus, der den Weg des Karfreitag gegangen ist, der die Passion durchlitten hat – und Passion bedeutet Leidenschaft – jener Christus hat alles für unsere Heiligung vollbracht. Bei aller Unzulänglichkeit auf unserer Seite, steht es uns jederzeit frei, zu ihm zu rufen: rette mich!
Denn alleine er vermag es, uns von unserer Sünde zu retten.
Wenn ich heute Mittag also zu einer Sache ermutigen kann, dann dazu: Rufe zu ihm und lass dich retten!
Amen.
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