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Predigt über Mt.6,9 Vater Unser

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Notes & Transcripts

Predigt

Autor: Thomas Ehlert

Erstelldatum: 13. September 1996

Titel: Vater unser

Bibelstelle: Mt.6,9f

Dateiname:Predigt über Mt.6,9 Vater Unser.doc

Anzahl der Seiten: 4

Anzahl der Wörter: 2015

Anzahl der Zeichen: 9891

Gliederung:

Fehler! Es wurden keine Einträge für das Inhaltsverzeichnis gefunden.

Anspiel der Konfirmanden

Beter(in):"Vater unser im Himmel ...Gott: ..Ja?"

B.: "Unterbrich mich nicht! Ich bete."

G.: „Aber du hast mich doch angesprochen!"

B.: "Ich dich angesprochen? Äh               nein, eigentlich nicht! Das beten wir eben so:

Vater unser im Himmel!"

G: .Da, schon wieder. Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder'? Also,

worum geht's?"

B: "Geheiligt werde dein Name ..."

G: Meinst du das ernst? Weißt du, was das bedeutet?"

B: "Es bedeutet ... es bedeutet ... meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet. Woher soll

ich das denn wissen?"

G: „Es heißt, daß ich dir viel bedeute und daß du meinem Namen Ehre machst."

B: "Aha, hm, das verstehe ich. Also: Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden ..."

G: "Tust du das wirklich?"

B: "Natürlich. Ich zahle Kirchensteuer und gehe ab und zu in den Gottesdienst."

G: „Das ist schön, aber was ist denn dein persönlicher Beitrag zu mehr Frieden und mehr Gerechtigkeit in der Welt?"

B: "Warum fragst du mich das? Da gibt es noch andere, die vor Geld nicht aus den Augen sehen können und nichts tun."

G: "Entschuldige, ich dachte, du wärst persönlich daran interessiert, daß mein Wille mehr beachtet wird auf Erden. Du betest doch darum."

B: "Kann ich jetzt mal weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute ..."

G: "Es freut mich, daß du nicht nur um dein Brot bittest, sondern um Brot für alle."

B: "Stimmt, habe ich gar nicht dran gedacht."

G: ,Es gibt ja noch genug Arme und Hungernde auf der Erde, die mehr brauchen als nur eine kleine Spende."

B: "Eigentlich hast du recht, ich weiß. Darum bete ich ja auch: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern."

G: „Und deine Nachbarin?"

B: "Hör mit der auf? Mit der will ich nichts mehr zu tun haben. Die grüßt mich ja auch nicht mehr."

G:  Habe ich gehört. Aber dein Gebet'?"

B: "Mit meiner Nachbarin hat das nichts zu tun. Soll die sich doch erst bei mir entschuldigen."

G: „Fühlst du dich denn gut dabei'?'

B: "Nee."

G: lch will dir helfen. Vergib ihr doch und ich vergebe dir. Ich vergebe dir auch jetzt schon. Und du weißt, da ist einiges."

B: "Ich werd's mir überlegen. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen ..."

G: „Gut, wenn du mich darum bittest, aber du kannst auch etwas dazu beitragen.''

B.: "Wie denn?"

G.: “Das Böse, fängt das nicht im eigenen Kopf und im eigenen Herzen an: Alle Schuld auf die Ausländer schieben oder immer bequemer leben wollen und sich nicht um die Schöpfung scheren oder mit der Faust zuschlagen, statt miteinander zu reden? Hast du diese Versuchungen noch nie gespürt'?"

B: "Ich finde, jetzt wird es aber ungemütlich. Ich wollte doch einfach nur ein Vater unser beten."

G: ,Bete ruhig zu Ende."

B: "Denn dein ist das Reich und die Kraft und

die Herrlichkeit in Ewigkeit."

G: "Amen."

B: "Ja, das stimmt. Wenn ich an die Reichen und Mächtigen denke, die es hier auf Erden gibt, dann bin ich froh, daß sie nicht über alles bestimmen können. Die Macht und die Kraft und die Herrlichkeit ist bei dir doch besser aufgehoben."

Einleitung

Wir haben im KU darüber nachgedacht haben, daß es mal schön wäre, im Gottesdienst über das Vater Unser nachzudenken. Über etwas, was zwar jedesmal vorkommt, aber da vielleicht gerade deswegen so heruntergespult wird. Und wir es schwer haben es noch bewußt zu sprechen. Wir haben dann im Frauenkreis mal darüber gesprochen, wo wir unsere Nöte mit dem Vater unser haben und auch da ist uns deutlich geworden, daß es wichtig wäre mal übe das Vater Unser zu sprechen.

Aber von dem, was da an Bitten genannt wurde, kommt heute eigentlich gar nichts. Sondern ich möchte heute das Gewicht legen auf den Anfang des Gebets, weil ich zur Überzeugung gekommen bin, daß der Anfang nicht nur so ein Vorspann ist und es sich ja auch gehört jemanden mit Namen anzureden. Sondern dieses „Unser Vater“, daß ist die Tür zum ganzen Gebet:

2 Punkte heute morgen.

1. Beten ist Pipi weil Papa

Diesen Satz möchte ich uns heute morgen einbläuen: Beten ist Pipi, weil Papa

Ich weiß dieser Satz ist grammatisch nicht ganz richtig, er klingt für manche vielleicht auch ein wenig anstößig vulgär, also er paßt nicht in die vornehme Gottesdienstgesellschaft, aber er ist sachlich inhaltlich ganz richtig und darum gehört er hier hin. Beten ist Pipi, weil Papa.

Jesu Jünger wollten ja beten lernen:

Ist ja nicht so, daß die vorher nicht beten konnten, natürlich wurde im Judentum viel und gerne gebetet: Das 18-Bitten-Gebet, das Kadisch. Im LK, steht der wichtige Satz: HERR, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.

Johanns hat aufgrund seiner Botschaft, die er auszurichten hatte, auch eine neue Gebetspraxis entwickelt. Und Jesu Jünger wollen jetzt wissen, daß was du sagst, daß was du verkündigst. „Gottes Reich ist nahe herbeigekommen“, was hat denn das für Konsequenzen im Gebet. Was ändert sich denn da. Wie sollen wir denn nun beten?

Jesus: „Lest 10 Bücher. Besucht drei Jahre die Betschule. Macht ein paar Fingerübungen, das ihr die Hände schön falten könnt.

Sondern: So sollt ihr beten: Vater unser - Unser Vater“. Gott wurde auch im Judentum als Vater bezeichnet und angeredet. Aber die persönliche Anrede: Unser Vater, Mein Vater, das ist etwas ganz neues: Das jemand zu Gott Vater sagen darf.

These: Beten ist Pipi weil Papa

Warum:

„ist Pipi“, wenn etwas ganz einfach ist. Seilspringen, 2+2 usw. Pipi, weil das das erste ist, was ein Mensch kann, ohne dafür zu üben. Ich habe zwei kleine Kinder, die konnten am Anfang nichts, die konnten den Kühlschrank nicht aufkriegen, keine Chipstüte aufmachen, keinen Fernseher anmachen, die können noch nicht einmal Fußball spielen.

Ich habe am Anfang immer zu meiner Frau gesagt: Tiere sind intelligenter als Kinder.

Giraffe plumpst aus dem Mutterleib und kann sofort stehen. Vögel fliegen nach wenigen Tagen. Selbst bei den Affen. Nicht Affen unsere Vorfahren, sondern wir sind die Vorfahren der Affen.

Wenn ein Menschenkind auf die Welt kommt, kann es erst einmal nichts, außer Schreien und Pipi. Früher habe ich gedacht, saugen und so würde auch dazugehören. Alles falsch. Was ein Kind wirklich kann, ist Schreien und Pipi.

Wenn ich sag: Beten ist Pipi, dann mein ich damit: Beten kann jeder à beten kann jeder. Beten ist etwas ganz Elementares. Das braucht man nicht zu lernen. Warum ist das so? Beten ist Pipi

...Weil Papa. Zu wem beten wir? Vor großen Herrschaften werd ich verlegen. Flattern mir die Hosen. Wenn Gott mein Vater ist. Wie sprechen sie mit ihrem Vater oder ihrer Mutter?

Darum ist beten Pipi, weil ich zum ganz großen Gott, Vater sagen darf. Man muß das „Vater“ zurückübersetzen ins Aramäische. abba Babbel- und Lalllaute.

Eigentlich steht da Papa. Papa, Papa unser. Die Erwachsenen trauen sich das nur nicht zu sagen. Aramäisch Abba. Man drehe das um und man hat „Papa“. Das ist das erste Wort was ein Mensch sagen kann. Babbal- Lallaute. Dazu muß man nur den Mund auf- und zumachen und pusten. Nicht so schwer wie Z oder, oder K, wo man sich die Zunge verdrehen mußt.

Jesus möchte uns sagen. Beten, das ist das einfachste auf der Welt. Eigentlich kann das schon ein Baby. da brauchst du nicht tolle Worte machen, da kannst man stottern. Nicht so fein und vornehm.

Ich darf mit Gott reden, so wie mir der Schnabel gewachsen ist. Gott interessiert sich für mich.

Und darum ich mich ihm anvertrauen.

Vater sagen, ist immer ein zurück.

Schauen sie sich einmal um, wer so neben ihnen sitzt, vor ihnen und hinter ihnen. Schauen sie sich bitte irgendeinen aus, mit dem sie nicht verwandt sind. Und jetzt reden sie nicht laut aber so in ihrem Geiste und sagen zu dieser Person Papa, im Geiste - vorausgesetzt das ist ein Mann, sonst sagen sie einfach Mama. Stellen sie sich vor sie würden die Person ihrer Wahl plötzlich als Papa oder Mama ansprechen. Merken sie, das sich da etwas sträubt. Das ihnen das komisch ist. Ich denke, sie haben sich ja keinen Ekel ausgesucht, sondern wahrscheinlich jemand, den sie gut leiden können, mit dem sie befreundet sind. Aber Vater zu sagen? Mutter? Mama, Papa - nicht wahr, das ist uns komisch.

Heirat - zu Schwiegereltern plötzlich „Vater sagen“ - viel mir schwer.

Vielleicht merken wir daran, was das heißt, zu Gott Vater sagen zu dürfen. Diese Vertrautheit, dieses kindliche sich geborgen fühlen dürfen. Dieses Wissen, da ist jemand, der ist für mich da. Und in allem was im „Vater unser“ noch folgt, in all den Bitten, gibt dieses eine Wort Vater einen besonderen Akzent. Es hat eine Tür aufgestoßen, die keiner mehr zustoßen kann. Da geschieht etwas ganz natürliches und doch etwas ganz besonderes.

Eigentlich kommt es ja in unserem Alltag immer darauf an, daß wir für unsere Wehwehchen, den richtigen Fachmann bekommen.

Wenn ich einen Dachschaden habe. Dann kommt es darauf an, daß ich kompetente Menschen bitte, mir zu helfen. Also entweder nen Dachdeckermeister oder nen Seelenklemptner, was das nun gerade für ein Dachschaden ist. Wenn der Fernseher kaputt ist, nützt mir der Schuhmacher herzlich wenig, wenn er auch im Stundenlohn vielleicht ein paar Mark billiger ist. Ich brauche dann einen Fernsehtechniker, der den Apparat repariert und wenn das nicht klappt, brauche ich halt einen Verkäufer.

Wen ich bitte, wen ich beauftrage daß macht einen Unterschied.

Wer ist zuständig für diese Welt. Wer ist zuständig für das Wohl meines persönlichen Lebens. Thielicke hat dieses Vater unser einmal ein Gebet genannt, das die Welt umspannt. In dem es um alles geht. In dem es um das Reich, um die Weltherrschaft Gottes, um die Durchsetzung genauso geht, wie um mein Brötchen am Frühstückstisch. Wer ist eigentlich zuständig? Wen bitte ich, wer hat die Kompetenz, die Kompetenz über mein Leben und die weltumspannende Kompetenz, Wer ist der Meister? - Gott ist es, daß heißt schon viel, das ist schon ein Affront, eine Kampfansage, gegen alle Herren dieser Welt, gegen alle die meinen uns ihren Willen aufzwingen zu müssen. Gegen mich selbst und gegen das was ich meine und das was ich will. Und doch ist hier Gott gar nicht genannt.

Das wäre doch die richtige Adresse: „Gott im Himmel“. Aber es heißt nicht Gott, ich sage Vater, nicht Herr, ich sage Papa. Mein Vater, unser Vater. Das heißt doch Gott ist längst drin, längst dran interessiert, an allen meinen Wünschen und Bitten. Er hat doch eine Beziehung mit mir. Und darum andererseits bin ich doch auch drin in seiner Welt, ins einem Willen, in seinem Reich. In dem Vater unser, in unserem Gebet zu Gott, da kommen nicht zwei Seiten zusammen, die sich nicht kennen oder nur von ferne, zwei Wesen, nach dem Motto, sie können zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief. Sondern, da ist immer schon eine Beziehung da, eine ganz enge vertraute Beziehung. Da fange ich nicht bei Null an

Und jetzt sage ich es noch mal anders und darum habe ich den Punkt überschrieben, Vater sagen ist immer ein zurück. Denn zu meinem Vater gehe ich immer zurück.

Da kann ich nicht irgendwas neu beginnen, da gehe ich immer zurück. Wenn ich Vater sage: dann heißt das immer, Du bist der, der mich gezeugt, genährt, geliebt, betreut und betraut hat. Das ist keine Zufallsbeziehung, das ist auch keine Freundschaft, die sich an Eigenschaften oder gemeinsamen Erlebnissen bildet. Es ist immer ein zurück. Denken wir noch mal an die Geschichte der beiden verlorenen Söhne. Ich denke da wird da ganz deutlich. Vater sagen, das ist immer ein zurück. Ein zurückgehen zum Vater. Ein Hineingehen in seine Arme. Ein Wissen - er mein Vater, er meint es gut mit mir. Sollt ichs irgend besser haben.

Dieses Wort Vater ist die größte Ermunterung zum Gebet.

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