Jahreslosung 2023

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Genesis 16,13 (LU)
Du bist ein Gott, der mich sieht.

Kontext

Sarai, die Frau Abrams, konnte keine Kinder bekommen. Genesis 16,2 “Da sagte Sarai zu Abram: »Der HERR hat mir keine Kinder geschenkt. Schlaf du mit meiner Sklavin. Vielleicht kann ich durch sie Kinder haben.« Abram war einverstanden.”
Er tat es also und Hagar wurde schwanger.
Kinder zu haben, war ein Statussymbol. Wer keine Kinder hatte, hatte wohl ein Problem mit Gott. Man galt als gesegnet, wenn man Kinder hatte. Manchmal mag man mir heute widersprechen, wenn man die quengelnden und schreienden Kinder sieht, Tobend, weil sie ihren Willen nicht bekommen. Im Supermarkt auf dem Boden wälzend weil man das Spielzeug oder die Süßigkeit nicht bekommt. Ihr könnt es Euch lebend vorstellen.
Wer damals viele Kinder hatte, war gesegnet. Wer heute viele Kinder hat, gilt als asozial...
Die durchschnittliche Zahl der Kinder betrug 2019 bei Ehepaaren 1,75, bei Lebensgemeinschaften 1,49 und bei Alleinerziehenden 1,41. Quelle: https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61597/familienhaushalte-nach-zahl-der-kinder/
Der Vers der Jahreslosung steht im Zeitpunkt der Schwangerschaft von Hagar. Hagar. Hagar Hagar war immer noch Sklavin. Sie war zwar nun auch mit Abram verheiratet, aber das war nur eine Zweckehe, bzw. eine Leihmutterschaft. Nun hatte Hagar aber keinen Respekt mehr gegenüber ihrer Herrin.
Sarai gefiel das natürlich nicht und sie lief zu Abram. Nun könnte Abram so reagiert haben, dass er Hagar in Schutz nimmt, schließlich trug sie sein Kind. Aber es scheint als hätte Abram kein Interesse daran und gab die Sklavin unter die Gewalt Sarais. Sarai demütigte Hagar nun, sodass Hagar sich entschied zu fliehen.
In der Wüste fand sie dann ein Engel und fragte sie, wo sie her kam und wo sie hin wolle. Hagar antwortete wahrheitsgemäß. Und dann bekam sie den Auftrag, wieder zurück zu gehen und sich von Sarai demütigen zu lassen. Aber der Engel sagte das nicht einfach so, sondern er versprach ihr, dass er ihre Nachkommen so zahlreich machen wolle, dass sie nicht gezählt werden könnten. Und er sagte ihr, wie sie ihren Sohn nennen sollte: “Ismael — der Herr hat Dein Elend erhört”.
Darauf antwortete sie unsere Jahreslosung:
Du bist ein Gott, der mich sieht.

Wer war Hagar?

Wer war Hagar eigentlich? Hagar war eine Sklavin, vielleicht eine von denen, die der Pharao Abram geschenkt hatte. Als Ägypterin hatte sie wahrscheinlich eine andere Religion. der Pharao hatte den Stand eines Gottes und ließ sich von seinem Volk auch anbeten. Sarai gab Hagar nach der damaligen Sitte Abram zur Nebenfrau, weil sie dachte, dass nur so die Verheißung des Sohnes in Erfüllung gehen konnte.
Hagar war also eine Magd, eine Sklavin, die plötzlich zu einer der Hauptfiguren in Gottes Geschichte wurde.

Was ist eine Nebenfrau?

Abram nahm also Hagar als Nebenfrau, als Konkubine.
Im Alten Testament kommt das Wort Konkubine 37 Mal vor, davon 12 Mal in Richter 19. Später wird die Konkubine nur noch mit Königshäusern in Verbindung gebracht, zum Beispiel Salomo, der wohl 1000 Nebenfrauen hatte.
Das Konkubinat war im gesamten alten Nahen Osten üblich.
Entgegen der modernen Lesart, dass Konkubinen einfach sexuelle Gespielinnen waren, war eine Konkubine so etwas wie eine zweite Ehefrau. Allerdings war die Konkubine rechtlich immer dem Ehemann, ihrem Herren, und der Hauptfrau, ihrer Herrin, untergeordnet.
Es gibt sogar Hinweise darauf, dass der König in der frühen Monarchie seine Konkubinen an seinen Nachfolger weitergab.
Für die Aufnahme einer Konkubine gab es wahrscheinlich mehrere Motive. Ein Motiv könnte der Wunsch nach mehr Sexualpartnern gewesen sein.
Die biblischen Erzählungen zeigen jedoch, dass ein wichtiger Faktor die Sicherung der Nachkommenschaft gewesen war, wie in unserer Geschichte mit Sarai und Abram. Da war es dann auch üblich, dass eine Ehefrau ihre Sklavin, die sie vielleicht auch sogar selbst gekauft hatte, ihrem Mann anzubieten. Meistens nahm aber der Ehemann die die Dinge selbst in die Hand, wenn es keine Nachkommen mit der Hauptfrau gab. Kinder von Konkubinen galten als rechtmäßige Kinder ihres Herren und der Hauptfrau.
Somit war Ismael rechtmäßig der Sohn von Sarai und Abram.

Die Fehler

Fehler 1: Abram und Sarai bekamen eine Prophezeiung. Die Erfüllung ließ auf sich warten und so kam es dazu, dass die beiden den Fehler machten, nicht mehr auf Gott zu vertrauen.
Fehler 2: Hagar war eine Nebenfrau, Nebenfrauen sind den Hauptfrauen immer noch untergeordnet. Den Status der Magd hatte sie auch immer noch inne. Ihre Herrin dann zu missachten und sich höher anzusehen.
Fehler 3: Hagar läuft weg. man kann nachvollziehen, dass wenn der Arbeitgeber einen Piesackt, dass man dann abhauen möchte, aber damals war das auch gleichzeitig ein Abnabeln von der Versorgung.

Die Verheißung

Abram bekam die Verheißung, dass seine Nachfolger so zahlreich werden, wie die Sterne am Himmel, wie der Sand in der Wüste. Dadurch, dass Hagars Sohn auch der Sohn Abrams war, galt diese Verheißung auch für Hagar, wenn das auch nicht der Zweig der Familie war, den Gott auserwählt hatte.

Die Jahreslosung

Weil die Verheißung auch für über Ismael stand, ist es nur logisch, dass Gott an Hagar dran blieb. Hagar hatte sich von der Versorgung durch Abraham losgesagt und war in die Wüste geflohen. Der Engel des Herrn fand sie dort, und fragte sie wo sie her komme und wo sie hin wolle. Wo sie her kam, konnte sie ihm antworten. Aber die Frage nach dem Wohin konnte sie nicht beantworten. Es war vielleicht eine Kurzschlussreaktion. “Schnell weg!” Wohin? “Egal, erst mal nur weg!” Der Engel sprach nun zu Hagar, dass sie wieder umkehren und sich demütigen lassen solle. Ja, die Demütigungen sind nicht toll, aber es ist besser sich unterzuordnen, als keine Versorgung zu bekommen.
Das hatte Hagar beeindruckt. War es doch der Gott Abrahams, der ihr hier begegnet war. Hagar kam aus Ägypten. Da war der Pharao der Gott. Aber hier begegnete ihr nicht der Pharao sondern der Gott ihres Herren, von dem sie sicher gehört hatte, aber vielleicht nicht so recht etwas mit ihm anfangen konnte. Weil sie so beeindruckt war, sprach sie ihre neue Erkenntnis aus, dass dieser Gott ein Gott ist, der sie sieht. Es ging sogar noch weiter und man nannte den Ort “Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. “Beer-Lachai-Roï”.
Hagar hatte erkannt, dass dieser Gott lebendig ist und sich sogar für die ägyptische Magd interessierte.

Adaption ins Heute

Was sagt der Text über das heute aus?
Wie oft stellen wir uns die Frage ob Gott uns sieht. Wie oft haben wir Zweifel, ob er es gut mit uns meint.
Stell Dir vor, Du bekommst eine Berufung. Du sollst Theologie studieren. Du hast Gemeinde auf dem Herzen, willst Reich Gottes bauen und das hauptamtlich. Aber dann bist Du im ersten Semester, und es läuft überhaupt nicht gut. DU bekommst kein BaFöG, Du bekommst den Stoff nicht in Deinen Kopf. Wer zweifelt da nicht? Wer würde da nicht seine Berufung in Frage stellen. Habe ich das richtig verstanden oder war es vielleicht nur ein Gespinnst. Oder man zweifelt Gott direkt an. “Ich habe die Berufung bekommen, aber scheinbar hat Gott das vergessen.”
Ein anderes Beispiel:
“Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.” Steht ganz am Anfang der Bibel. Dem stimme ich zu. Menschen sind “Rudeltiere”. Und dann wartet man darauf, einen Partner zu finden, mit dem man eine Familie gründen kann. Dann hat man einen gefunden, heiratet und nicht mal ein Jahr später ist alles vorbei. Was war das? darauf folgen dann 14 oder 15 Jahre Singledasein. immer wieder hagelt es Körbe. Zweifelt man da nicht? War es doch nicht gut, alleine zu sein. Warum schenkt Gott dann nicht eine Partnerschaft? “Hat er mich vergessen?”
Hagar hat wahrscheinlich nicht mal groß über diesen Gott nachgedacht. Als er ihr aber in der Wüste begegnete, da war er für sie plötzlich lebendig. Er war ein Gott, der sie gesehen hat. Sie, die nicht mal an ihn geglaubt hat. Und dann bekommt sie noch so eine Verheißung...
Kann ich das auch so über mich sagen? Ist er ein Gott, der mich sieht?
Ja.
Wenn er Hagar gesehen hat, die nicht mal zu seiner Familie gehörte, wie kann er uns, die wir ihm Nachfolgen, die er zu seinen Kindern erklärt hat, dann nicht sehen?
Ich bin sicher, er sieht mich. Aber ja, ich habe immer noch Zweifel. Ich verstehe vieles nicht, was mit widerfahren ist. Ich sehe keinen Plan Gottes. Aber ich darf darauf vertrauen, dass er einen hat. Ich darf darauf vertrauen, dass dieser Plan ein guter ist.
Wie genau das funktioniert? Keine Ahnung. Ich habe kein Rezept dafür, wie ich meinem Kopf und meinem Herz sage, dass es diesen guten Plan gibt und sie das fest verankern.
Ich kann aber beten: “Du bist ein Gott, der mich sieht! Bitte lass mich Dich auch sehen. Und bitte offenbare mir Deinen guten Plan. Damit ich glauben und mein Vertrauen wachsen kann. Amen.”
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